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25.08.07 / Putin hat Atombomben in der Luft / Rußland spielt wieder den starken Mann und zeigt Zähne

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 34-07 vom 25. August 2007

Putin hat Atombomben in der Luft
Rußland spielt wieder den starken Mann und zeigt Zähne
von Gerd.-H. Komossa

Seit einigen Monaten bedrängt Wladimir Putin die USA mit seiner Forderung, die US-Pläne für die Aufstellung eines Raketenabwehrsystems in Osteuropa zu den Akten zu legen. Doch noch bevor die erste US-Raketen-Abwehrstellung in den masurischen Wäldern konkret geplant war, hatten die Russen bereits mit ihren Vorbereitungen dafür begonnen, ihre eigenen „Abwehrmaßnahmen“ im strategischen Bereich zu verstärken.

Seit dem 17. Juni 2007, so erklärte Putin jetzt dem überraschten Westen, halte Rußland nach 21 Jahren Pause wieder Tag und Nacht, ununterbrochen 14 strategische Langstreckenbomber einsatzbereit in der Luft, zum Teil mit Atombomben bestückt. Die Welt zeigt sich von der russischen Mitteilung überrascht.

Mit der Wiederaufnahme dieser Flüge hat Rußland eine gemeinsame Vereinbarung zwischen US-Präsident Ronald Reagan und Generalsekretär Michail Gorbatschow, die sie bei ihrem Gipfeltreffen am 21. November 1985 getroffen hatten, zu den Akten gelegt. Damals hatten beide Staatsmänner als ihr Ziel erklärt: „… ein Wettrüsten im Weltraum zu verhindern und es auf der Erde zu beenden sowie die Zahl der Kernwaffen zu begrenzen und zu verringern und die strategische Stabilität zu erhöhen“.

Parallel mit dieser Meldung wurde die Welt zudem darüber informiert, daß in Ostasien ein groß angelegtes Manöver von russischen und chinesischen Großverbänden beider Armeen unter Beteiligung weiterer Staaten aus dem asiatischen Raum durchgeführt wurde. Auch hier zeigt sich die Weltöffentlichkeit überrascht.

In „Die deutsche Karte – Das verdeckte Spiel der geheimen Dienste“ schreibt der Verfasser dieses Artikels: „Rußland wird mit Sicherheit wieder erstarken, und China ist bereits auf dem langen Weg in die Moderne, auch auf dem Gebiet der modernsten Waffen. China und Rußland führten im Jahre 2005 ihr erstes gemeinsames Großmanöver mit verbundenen Waffen durch. Landstreitkräfte operierten zusammen mit der Luftwaffe und Marine beider Staaten. Es war das größte Manöver der Neuzeit im Osten. Niemand im Westen kennt das Drehbuch dieses Manövers. Und niemand kennt den erwarteten Ausgang dieser Großübung, doch wird man sich vorstellen können, daß der angenommene Gegner in dieser Übung nicht ein Land wie Indonesien oder Ungarn war. Die Dimension dieser Großübung unter Beteiligung aller Teilstreitkräfte müßte im Westen sehr nachdenklich stimmen. Ein hoher US-Offizier sagte mir im Herbst 2006, daß diese Großübung sehr ernst zu nehmen sein. ,Gerd‘, sagte er, ,dies hat eine völlig neue Dimension. Und soweit wir informiert sind, hat die Zusammenarbeit beider Armeen überraschend gut funktioniert.‘ Hier scheint sich ein Wandel im strategischen Denken beider Großmächte abzuzeichnen. Auch trotz erheblicher Sprachschwierigkeiten in der Funktionsfähigkeit, vor allem auf russischer Seite. Man werde solche Übungen in Zukunft öfter erleben, meinte mein US-Partner … Diese Großübung, so meinen Russen und Chinesen, sei gegen kein anderes Land gerichtet. Aber jeder militärischen Übung liegt eine strategische und taktische Lage zugrunde. Die Nato weiß nicht, gegen welche Macht sich beide Staaten in diesem Manöver ,offensiv verteidigen‘ mußten, wie es in dem zweisprachigen Drehbuch für diese Übung stand. Aber, was unter dem Begriff ,offensive Verteidigung‘ von Russen verstanden wird, das wissen wir aus den Strategiepapieren eines Stalin oder Chruschtschow.“

Soweit das Zitat! Dem ist heute wohl nicht viel hinzuzufügen. An dem Manöver 2007 waren wohl insgesamt mehr als 10000 Soldaten aktiver Verbände beteiligt, dazu kamen eine erhebliche, noch nicht bekannte Zahl von Kampfpanzern und starke Luftwaffenverbände. Diese Meldungen über das Großmanöver in Asien und die Wiederaufnahme der strategischen Bomberflüge haben im Westen überrascht. Doch für beides brauchten Russen wie Chinesen eine längere Vorbereitungszeit. Diese muß vor dem Zeitpunkt gelegen haben, an dem die amerikanische Planung für eine Raketenabwehr im osteuropäischen Bereich bekannt wurde. Ein solches Manöver braucht sicher eine ähnlich lange Vorbereitungszeit wie die der Nato. Also ein Jahr und mehr. Die neuen und wieder belebten russischen strategischen Luftwaffeneinsätze können durchaus einem hochmodernen Offensivsystem zugerechnet werden. Dabei kann man wohl durchaus besorgt sein, wenn ab August 2007 wieder ständig mit nuklearen Bomben ausgerüstete Flugzeuge vor unseren Grenzen fliegen. Ununterbrochen, wie Wladimir Putin sagte, Tag und Nacht.


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