09.12.2021

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01.12.07 / Schutzengel

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 48-07 vom 01. Dezember 2007

Klaus D. Voss:
Schutzengel

Man darf sich nicht durch Ausreden beirren lassen: Die kleine Lea-Sophie könnte  noch leben, wenn ein beherzter Mensch im Schweriner Jugendamt gehandelt hätte. So wie es jeder macht, der ein Kind in Not sieht.

Aber nein: Die Verantwortlichen verschanzen sich hinter Vorschriften, Richtlinien und Dienstplänen, als hätte es die grausamen Fälle von Jessica aus Hamburg, Dennis aus Cottbus oder den Tod des kleinen Kevin aus Bremen nicht gegeben. Hinter allen Ausflüchten steht das Versagen im Behördenalltag.

Im Fall der verhungerten Fünfjährigen aus Schwerin hatten die Großeltern alles in Bewegung gesetzt, um dem Kind zu helfen. Nur, sie scheiterten an der Verwaltung. Es scheint eine Krankheit unserer Zeit zu sein, daß kaum noch jemand zu seiner Verantwortung stehen will, auch in den Ämtern nicht.

Wie grausam müssen in den Ohren der Großeltern jetzt die Forderungen klingen, mit denen Verantwortliche auf den Tod des kleinen Mädchens reagieren – etwa der Forderung nach Pflichtuntersuchungen durch Kinderärzte. Das haben wir alles schon gehört.

Wenn sich nur jemand wirklich um die Kleinen kümmern würde – ein Kinder-Ombudsmann vielleicht. Einer, der vor keiner Behördentür haltmachen muß und der sich über alle Dienstvorschriften hinwegsetzen kann, wenn Kinder in Not sind. Einer, der die Öffentlichkeit mobilisieren wird, bevor es wieder zu spät ist.

Denn wer ahnt denn wirklich, wo denn noch Kinder auf Hilfe hoffen, in einem ähnlichen Schicksal gefangen sind wie Kevin, Jessica, Dennis oder Lea-Sophie? Die Kinder in Not haben einen Schutzengel verdient.


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