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01.12.07 / Die ökonomische Zeitbombe tickt / Chinas Börsen- und Immobilienblase gefährdet die gesamte Weltwirtschaft

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 48-07 vom 01. Dezember 2007

Die ökonomische Zeitbombe tickt
Chinas Börsen- und Immobilienblase gefährdet die gesamte Weltwirtschaft
von Albrecht Rothacher

Chinas überhitzte Wirtschaft treibt immer skurrilere Blüten. Im mandschurischen Schenjang hatten Tausende von Investoren ihre Ersparnisse in der Jilischeng-Gruppe angelegt, die vorgab, aus Ameisensäure ein Aphrodisiakum herstellen zu können.

Der chinesische Markt ist voll solcher Kuriosa: Schlangenöl, pulverisierte Tigerhoden, gemahlene Hirschgeweihe und andere Delikatessen, denen ähnliche Wunderkräfte nachgesagt werden. Deshalb gelang es der Jilischeng-Gruppe in den acht Jahren ihrer Existenz, über eine  Milliarde Euro an Kapital einzusammeln, zumal die Firma versprach, für  1000 Euro an eingezahltem Beitrag eine Jahresdividende von sagenhaften 300 Euro auszuschütten.

Eine offensichtliche Schwindelpyramide, die irgendwann einmal ihr unrühmliches Ende finden mußte. Das war vergangene Woche der Fall. Tausende verzweifelter Kleinanleger, oft Bauern, Rentner und Arbeitslose, demonstrierten in der Provinzhauptstadt Schenjang, um ihr Geld zurück zu bekommen. Ihr Zorn richtet sich auch gegen die örtliche Parteizentrale, hat die allwissende KP die betrügerischen Firmeneigner doch vormals öffentlich geehrt und ihr die Fernsehwerbung gestattet.

Zunächst hat die Partei erst einmal eine Nachrichtensperre über Schenjang verhängt. Denn ähnliche Probleme mit Schwindelfirmen, deren leere Hülsen an der Börse gehandelt werden, mit maroden Banken und überschuldeten Staatskonzernen gibt es überall. Doch in Ermangelung anderer Anleiheformen tragen die hart arbeitenden Chinesen ihre Spargroschen mittlerweile sämtlich an die Börse. Von ihr erwarten sie sich Wohlstand und nicht zuletzt ihre Altersversorgung. Das Verfolgen der sich ständig erhöhenden Börsenkurse ist zum Volkssport Nummer eins geworden. Ohnehin sind die Chinesen begeisterte Spieler. Schiefgehen kann nichts, denn das wird die Partei schon richten, glauben viele.

Der fromme Wunsch dürfte nicht von Dauer sein, sind doch die boomenden chinesischen Kapitalmärkte, die Börsen von Schanghai, Schenzen und Hongkong, und die Immobilienspekulationsblasen der chinesischen Küstenstädte ebenfalls wie Kasinos organisiert. Seit Anfang 2006 haben sich die Kurse verdreifacht. Kein geringerer als der Ökonomieprofessor Cheng Siwei, seines Zeichens Vizepräsident des Chinesischen Volkskongresses, meinte kürzlich, daß nur 30 Prozent der chinesischen Aktiengesellschaften wirklichen Investitionswert haben. Die meisten bestünden aus leeren Unternehmenshüllen und bunten Prospekten oder hochdefizitären Staatsbetrieben mit ebenso fiktiven Bilanzen. Tatsächlich haben die chinesischen Börsen die Hauptaufgabe, defizitäre Staatskonzerne mit Geldspritzen am Leben zu erhalten. Für chinesische Sparer gibt es angesichts einer Inflation von 6,5 Prozent kaum andere Anlageformen, als sich an jenem Glückspiel ohne Boden zu beteiligen. Fast 100 Millionen Aktiendepots existieren bereits. Täglich werden 300000 neu eröffnet. Oft kaufen Anleger mit Bankkrediten oder nach dem Gang zum Pfandleiher, was die Lage zusätzlich riskant macht. Mittlerweile repräsentieren die drei Börsen Firmenkapitalisierungen von insgesamt  3600 Milliarden US-Dollar, eine wahrhaft astronomische Spekulationsblase. In der Dimension ist sie vergleichbar mit jenen 11000 Milliarden Dollar, die die viel größere japanische Finanz- und Immobilienwirtschaft 1992 bis 2002 verlor.

Als die chinesischen Behörden im Juli die Stempelsteuer von 0,1 auf 0,3 Prozent für alle Börsentransaktionen verdreifachten, fielen die Kurse in Schanghai kurzfristig um sechs Prozent. Nach einigen Schreckstunden ging jedoch der Höhenflug weiter. Der ehemalige US-Notenbankchef Alan Greenspan meint, bei einem Platzen der Blase würden neben den chinesischen Anlegern hauptsächlich Chinas Nachbarn getroffen, der Rest der Welt kaum.

Auch für  William Gamble von den Emerging Market Strategies ist das Krachen der chinesischen Börsen- und Immobilienblase nur noch eine Frage der Zeit – indes ist er sich nicht so sicher, daß der Rest der Welt völlig verschont bleibe. Zu den sicheren  Absturzkandidaten zählten die vom chinesischen Boom hochgetriebenen Rohstoffpreise und die davon abhängige russische Wirtschaft, die Börsen anderer Schwellenländer und der US-Dollar selbst.

1300 Milliarden Dollar hat die chinesische Führung gebunkert. Die dürfte sie im Krisenfall zur Rettung ihrer Börsen und Banken, des eigenen Reichtums und zur Besänftigung der erzürnten chinesischen Mittelschichten auf den Markt werfen.

Die US-Notenbank müßte dann zur Rettung ihrer Währung die Zinsen für Dollarkredite drastisch erhöhen. Dies würde dem schuldenfinanzierten Konsum- und Immobilienboom in den USA das Lebenslicht ausblasen – der weltweite Krach wäre praktisch unvermeidlich.

Foto: Chinesisches Kaufhaus, es boomt an allen Enden. Wann platzt die Blase?


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