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01.12.07 / Eine beispiellose Karriere in Preußen / Vor 150 Jahren starb der erfolgreiche Bildhauer Christian Daniel Rauch

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 48-07 vom 01. Dezember 2007

Eine beispiellose Karriere in Preußen
Vor 150 Jahren starb der erfolgreiche Bildhauer Christian Daniel Rauch
von Silke Osman

Ohne sein Schaffen würde es die berühmte Berliner Bildhauerschule, welche die Kunst nachhaltig beeinflußt hat, nicht geben. Zu ihm bewegte sich die vornehme Welt und verlangte ein Porträt, der König, die Prinzen und die Hofstaaten, hoher und einfacher Landadel, Staatsmänner, Gelehrte, Dichter und Künstler. Bei jedem einzelnen bemühte sich Christian Daniel Rauch, das Wahrnehmbare zu großen, gut geschnittenen Formen zu klären. Anders als sein Lehrmeister Johann Gottfried Schadow idealisierte Rauch die Dargestellten unaufdringlich; Schadow hingegen neigte zur schärferen Charakterisierung.

Dennoch – oder gerade deshalb? – gelang es Rauch bald, hohe und höchste Kreise für seine Arbeiten zu begeistern. So steht am Beginn seiner Karriere, die beispielhaft sein mag, die Gestaltung des Grabmals der Königin Luise, für die er 1810 / 1811 einen prachtvollen Sarkophag entwarf, der noch heute neben dem für ihren Gatten König Friedrich Wilhelm III. im Mausoleum des Schlosses Charlottenburg bewundert werden kann. Doch bis es zur Aufstellung kam, sollte einiges geschehen.

Rauch wollte die Marmorarbeit für den Sarkophag in Rom ausführen, der König aber hätte das Werk gern unter seinen Augen entstehen sehen und rang sich das Zugeständnis für Rom nur schwer ab. 1812 konnte Rauch das Gipsmodell endlich nach Rom senden. Dort kam es in Trümmern an, doch ließen sich diese wieder zusammenfügen. Rauch entschloß sich nun, die Statue und den Sarkophag in Carrara anzulegen und dann erst in Rom zu vollenden. Als das Grabmal schließlich fertig war, wurde es für die Seefahrt nach Hamburg verladen. Welch ein Schreck, als Rauch aus der Zeitung erfahren mußte, daß das Schiff gekapert worden war. Erst fünf Monate später kam die erlösende Nachricht, daß der Sarkophag auf einem anderen Schiff in Cuxhaven angekommen war. Noch vor der Rückkehr des Königs vom Wiener Kongreß konnte Rauch sein Werk von den Salzwasserschäden befreien und in dem neu erbauten Mausoleum im Schloßpark Charlottenburg aufstellen.

Das Ende dieses Bildhauerlebens kennzeichnet eine andere große Arbeit Rauchs, das Bronzedenkmal Friedrichs des Großen, das 1851 Unter den Linden enthüllt wurde. 1950 wurde es von den damaligen Machthabern in Ost-Berlin abgebaut, 1963 vorübergehend im Hippodrom im Park des Schlosses Sanssouci aufgestellt, bis es 1980 sechs Meter östlich vom alten Standort wieder errichtet wurde.

Zwischen diesen beiden Meisterleistungen liegt eine stattliche Reihe von Werken, darunter das Standbild des Königsberger Philosophen Immanuel Kant in Königsberg, das eine bewegte Geschichte vorweisen kann. 1864 wurde es vor Kants Wohnhaus enthüllt; 1885 dann wurde es auf dem Königsgarten vor der Universität aufgestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschollen, fand eine moderne Kopie 1992 ihren Platz auf dem ursprünglichen Postament, ermöglicht durch Spenden aus Deutschland. Wie das berühmte Werk entstand, daran erinnerte sich Christian Daniel Rauch 1857 in einem Brief: „... Die Bedingung war den Philosophen promenirend mit Hut und Stock in der Hand, wie er am Denkm. Friedrich des Großen dringend gegen Lessing einredet dargestellt ist. Auch so auf freien Füßen auch so aufs Piedestal zu bringen. Wie dieß dem Professor und mir in freier Ansicht bekommen wird – wird die Zeit und Königsberg erleben.“ Nun, Königsberg und seine Bürger liebten und verehrten ihren Kant; und diese Verehrung mag sich auch auf den Bildhauer Rauch übertragen haben. Eine kleine Kopie des Standbildes fertigte Rauch übrigens nach Fertigstellung der großen Arbeit an; sie fand Eingang in die Berliner Nationalgalerie und war auch im Kantzimmer des Stadtgeschichtlichen Museums zu sehen; selbst in unseren Tagen wurde sie immer wieder kopiert.

In Ostpreußen fanden sich noch weitere Arbeiten Rauchs: in Rippen die Marmorstatue der Gräfin Wilhelmine v. d. Schulenburg, im Herrenhaus Knauten die Büste General Kleist v. Nollendorf, im Gutshof Tharau die Büste Fried-rich August Staegemanns und in Gumbinnen das Bronzedenkmal König Friedrich Wilhelms I., darüber hinaus fand sich eine Büste der Königin Luise in Luisenwahl, eine weitere in der Sakristei des Königsberger Doms. Eine Bildnisbüste General Yorks war im Fahnensaal des Schlosses aufgestellt (nach H. M. Mühlpfordt).

In dem 1996 im Berliner Gebr. Mann Verlag herausgekommenen Œuvrekatalog nennt Jutta von Simson auch noch die Entwurf-skizze, die Rauch im Auftrag

Friedrich Wilhelms IV. schuf für ein geplantes Denkmal zur Erinnerung an das Bündnis gegen Napoleon, das Friedrich Wilhelm III. mit Zar Alexander I. von Rußland im schlesischen Oels geschlossen hat. Dieses Denkmal sollte in Oels und auch in Memel, wo sich die Monarchen zum erstenmal trafen, Aufstellung finden. Ein Plan, der allerdings nicht verwirklicht wurde. Jutta v. Simson nennt außer den Restaurierungen und Ergänzungen von Antiken durch Rauch und seine Werkstatt – immerhin bildete er mehr als 40 Schüler aus – 326 Arbeiten, die den Meister unsterblich machen.

In Arolsen als Sohn eines Kammerdieners am 2. Januar 1777 geboren, nahm Rauch schon früh eine Bildhauerlehre auf (unter anderem in Kassel). Als sein Bruder Friedrich, der als Kastellan in Schloß Sanssouci den Unterhalt der Familie verdiente, starb, mußte Christian Daniel diese Aufgabe übernehmen. Zunächst arbeitete er als Kammerdiener Friedrich Wilhelms III., später der Königin Luise. Obwohl er in dieser Position kein schlechtes Leben führte, war Rauch dennoch beseelt von einem einzigen Wunsch – seiner Kunst nachgehen zu können. In seinen Erinnerungen ist zu lesen: „Der König Friedr. Wilhelm III. protegirte meine Lust zur Bildhauerei am meisten, dennoch half mir dieß im Ganzen wenig ...“ In einer „Stube im Schloß“ entstanden kleinere Arbeiten, und Rauch sprach später von der „traurigsten Zeit meines Lebens“. Immer wieder sah er um Entlassung nach, die ihm schließlich 1804 gewährt wurde. „Fort“ war der erste Gedanke, und Rauch zog es wie so viele seiner Künstlerkollegen nach Italien, wo er sich bis 1811 aufhielt und wohin er sich immer wieder begeben sollte.

In Rom begegnete er den großen Geistern und Künstlern seiner Zeit wie Wilhelm von Humboldt und dessen Gattin, den Bildhauern Bertel Thorvaldsen und Antonio Canova. Von nun an ging es bergauf mit dem ehemaligen Kammerdiener: Er erhielt erste Aufträge aus höfischen Kreisen, sollte Denkmäler für die Helden der Befreiungskriege schaffen. 1819 gar wurde Rauch ordentlicher Professor an der Berliner Akademie der Künste. Reisen führten ihn durch fast ganz Europa, immer wieder knüpfte er neue Kontakte und erhielt neue Aufträge. Als er am 3. Dezember 1857 starb, hinterließ er eine große Anzahl von Werken, die noch heute von seinem unermüdlichen Fleiß künden.

Der Nachlaß wurde unmittelbar nach seinem Tod vom preußischen Staat erworben. 1865 gründete man ein Rauch-Museum, das sich zunächst in seinem Atelier im Alten Lagerhaus (Klosterstraße) befand, später in der Orangerie des Schlosses Charlottenburg. Im Zweiten Weltkrieg wurde auch das Rauch-Museum ein Opfer der Bomben. Durch die Teilung Deutschlands gerieten viele Werke in Vergessenheit, ein verändertes Kunstverständnis tat sein übriges. Heute hat man allerdings längst erkannt, daß Christian Daniel Rauch neben dem Architekten Karl Friedrich Schinkel wie kein Zweiter das Bild Berlins in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts geprägt hat.

Foto: Christian Daniel Rauch: Reiterstandbild Friedrichs des Großen auf der Straße Unter den Linden in Berlin


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