01.12.2021

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01.12.07 / Unterbelichtet: Das Bild der Familie / Wie man schlechte Stimmung erzeugt / Das bleibt in der Familie (Folge 6)

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 48-07 vom 01. Dezember 2007

Unterbelichtet: Das Bild der Familie
Wie man schlechte Stimmung erzeugt / Das bleibt in der Familie (Folge 6)
von Klaus J. Groth

Ein schlechtes Gewissen mag zwar kein gutes Ruhekissen sein, aber es ist offenbar ein fabelhafter Ansatz, um das Bild der heutigen Familie zu zeichnen. Vielleicht funktioniert das deshalb so gut, weil tatsächlich alle ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie an die Familie denken. Die einen, weil sie spüren, daß die Familie in den vergangenen Jahren sträflich vernachlässigt wurde, die anderen, weil es die Familie trotz intensiver Berennung der Festung immer noch gibt. Noch gelang es nicht, sie zu schleifen. Wie auch immer die Motive gelagert sein mögen, der Ansatz des schlechten Gewissens funktioniert.

Will jemand wissen, wie die Familie in Verruf geraten ist, genügt ein Blick in deutsche Schulbücher. “Mama putzt, und Papa pennt, kleine Mädchen müssen spülen, kleine Jungen dürfen spielen. Mit diesen einfachen Maschen wird das Strickmuster deutschen Familienlebens im Schulbuch geknüpft. Selbstverständlich ist eine solche Verteilung der Rollen nicht in Ordnung. Und ebenso selbstverständlich hebt sich der mahnende Zeigefinger. Denn um des pädagogischen Effektes willen werden die Rollen ja so verteilt. Lernen am schlechten Beispiel, lautet der unausgesprochene Auftrag solcher Karikaturen, die sich jedoch als Abbild des ganz normalen Familienlebens ausgeben. Stünde sie denn sonst so im Mittelpunkt des pädagogischen Interesses, die Familie? Mit all den Fehlern, die ihr nachzuweisen sind? Schließlich ist die Familie kein Hort gleichbleibenden Friedens.“

In der Schulbuch-Familie geht es reichlich ruppig zu, und immer auf die Kleinen. Das liest sich dann so:

„Meine Mutter schimpft, weil das Baby den ganzen Tag schreit. Sie schimpft, weil mein Bruder dauernd rumquengelt. Sie schimpft, weil sie mir bei den Rechenaufgaben helfen soll. Meine Mutter schimpft, weil sie es satt hat, den ganzen Tag zu Hause zu sitzen. Sie hätte lieber heute einen Schaufensterbummel gemacht. und dann geht ihr heute alles quer. Meine Mutter ist sauer.

Deshalb schreit sie mich an, deshalb haut sie mir eine runter, dehalb kann ich sie heute nicht riechen.

„Mein Vater schimpft, weil es heute mit der Arbeit nicht geklappt hat. Er schimpft, weil sein Chef ihn angepflaumt hat. Er schimpft, weil das Essen nicht pünktlich auf dem Tisch steht. Mein Vater würde sich gerne ein bißchen aufs Ohr legen. Aber das traut er sich nicht, weil Mutter sich auch nicht aufs Ohr legen kann. Und außerdem machen wir Kinder solchen Krach.

Mein Vater ist sauer. Deshalb schreit er mich an, deshalb haut er mir eine runter, deshalb kann er mich heute nicht riechen.

Aber ich, ich bin auch sauer: Ich darf meinen Vater nicht anschrein. Ich darf meine Mutter nicht anschrein. Ich darf meinem Vater keine runterhaun. Ich darf meiner Mutter keine runterhaun.

Dabei kann ich meine Eltern heute nicht riechen.“

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans bekanntermaßen nimmermehr. Darum hat Hänschen frühzeitig das Sündenregister des großen Hans zur Kenntnis zu nehmen, soll Hänschen zur Kenntnis nehmen, was Hans alles falsch gemacht hat und immer noch falsch macht. „Die Familie im Schulbuch“, schreiben die Autoren des Buches, „Eingetrichtert – die tägliche Manipulation unserer Kinder im Klassezimmer“, „das ist ein Kapitel mit überproportional vielen Fragezeichen. Und mit vielen Ausrufeeichen. Die stehen mehheitlich wie erhobene Zeigefinger.“

Einmal erfolgreich in die Welt gesetzt, behaupten sich derartige Ausrufezeichen hartnäckig, werden sie zum mahnenden Vorwurf, ein Leben lang. Die aktuellen Ratgeber zu Familien und Elternschaft leben davon, sie verkaufen sich wegen des schlechten Gewissens gut. Denn selbstverständlich weiß jede Mutter, daß sie nicht immer die Zeit aufbringt, die sie für ihre Familie haben sollte, kann sich kein Vater vormachen, er sei nicht schon einmal angesichts einer quengelnden Bande durchgeknallt. Die tägliche Überforderung fordert ihren Tribut.

Hat dann aber jemand die Stirn festzustellen, diese täglichen Überforderung sei Ursache der Misere der Familie, dann setzt es Dresche. Eva Herman hat mit ihrem Buch „Das Eva-Prinzip“ mächtig viel Erfolg gehabt und mußte dafür mächtig viel Prügel einstecken. Einen Satz wie „Wir Frauen vereinsamen, statt das zu tun, was wir am besten können: ein warmes Nest bauen“, den sagt man einfach nicht, geschweige denn schreibt ihn. Und wenn sie obendrein noch bekennt „Wenn ich noch einmal von vorne beginnen könnte, würde ich mir einen Mann suchen, ihn arbeiten lassen und mich um unsere fünf Kinder kümmern“, dann hallt es ihr in der „Süddeutschen Zeitung“ voll Häme nach: „Warum sollte man einer dreifach geschiedenen Karrierefrau mit Einzelkind nicht zuhören, wenn sie öffentlich Fehler bekennt? Einfache Antwort: Weil die These, die Menschen sollten ‚mit dem Bekenntnis zur Familie der Kälte unserer Gesellschaft etwas entgegensetzen, unglaubwürdig klingt aus dem Mund einer Frau, die mehr Zeit auf Lesungen und in Fernsehstudios verbringt, als bei ihrem Nachwuchs.“

So, bitte sehr, das mußte mal gesagt werden. Wenn jemand gegen den verbindlich korrekten Mainstream argumentiert, dann sind offenbar auch verbale Schläge unter die Gürtellinie erlaubt.

Bleibt als dritte maßgebliche Instanz des veröffentlichten Familienbildes die Werbung. Immerhin weiß man bei ihr, daß sie sich nicht um die Familie ihrer selbst wegen bemüht, sondern um für das Honorar des Auftraggebers den Absatz von dessen Produkten anzukurbeln (bei anderen geht es häufig genug auch um andere Zielsetzungen, nur bemühen sie sich, die eigentlichen Anliegen zu verkleistern.). In der Werbung dürfen Familien glücklich sein, sogar große. Trotzdem setzt auch die Werbung den Hebel beim schlechten Gewissen an. Sie bekennt sich sogar dazu. In einem Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“ antwortete die Geschäftsführerin der Agentur Scholz & Friends, Stefanie Wurster, auf die Frage, ob Familien, die immer aufs Geld achten müßten, in der Werbung als Zielgruppe überhaupt interessant seien: „Natürlich, und es gibt da einen einfachen Trick – das schlechte Gewissen der Mütter und Väter. Eltern wollen unbedingt, daß ihre Kinder das Beste bekommen, die zarteste Babycreme, den gesündesten Pausensnack. So funktioniert auch der Werbespot für das Modell „Viano“ von Mercedes: Der Storch, ein Experte auf diesem Gebiet, liefert die Kinder dahin, wo das beste Auto vor der Hautür steht.“

Auch so kann Überforderung gefördert werden.

Gefragt, welches Familienbild die Kunden in der Werbung sehen wollen, ob sie heile Welt und Harmonie erwarten, lautet die Antwort der Werbefachfrau: „Das klassizistische Familienbild dominiert noch immer, weil die Werbung die Welt so darstellt, wie wir sie uns wünschen. Letztlich bedienen wir Stereotypen, weil so wenig Zeit bleibt, eine Geschichte zu erzählen. Die Konstellation Mutter-Vater-Kind ist da leichter zu verstehen als eine Patchwork-Familie. Gute Werbung versucht aber, das Klischee zu brechen.“

Mit anderen Worten: Die Familien haben von sich immer noch ein anderes Bild, als viele, die an dem veröffentlichten Familienbild werkeln.

In dem Buch „Eingetrichtert – die tägliche Manipulation unserer Kinder im Klassenzimmer“ (Universitas Verlag) widmem sich unser Autor Klaus J. Groth und Joachim Schäfer ausfühlich dem Thema.

In der nächsten Folge lesen Sie: Alles eine Frage des Geldes? / Große Familien sind arm dran – finanziell gesehen.

 

Familienmenschen (und andere)

Eva Herman (* 9. November 1958 in Emden als Eva Feldker) bewegt die Gemüter nicht erst, seit ihr während der Talkshow „Johannes B.  Kerner“ der Stuhl vor die Tür gestellt wurde. Über die Grundthesen ihres Buches „Das Eva-Prinzip“ wurde bereits gestritten, bevor das Buch 2006 erschien. Erstmals hatte die Fernsehmoderatorin in dem Politikmagazins „Cicero“ ihre Überlegungen über die Ursachen der Kinderlosigkeit in Deutschland ausgebreitet. Dabei kritisierte sie die Folgen der Emanzipation und wies dem Mann den „starke(n) und beschützende(n)  Part“ in der Familie zu. Kinder zu bekommen, sei für Frauen nicht mehr selbstverständlich, sondern bloß noch eine Möglichkeit. Das werde zu später Reue führen. Als Konsequenz forderte sie „das Recht auf die traditionelle Rolle als Frau und Mutter“. Ihre eigene Lebensgestaltung entspricht allerdings nicht den nun aufgestellten Thesen. Eva Herman ist zum vierten Mal verheiratet. Aus der vierten, inzwischen wieder getrennten Verbindung, stammt ein Sohn. Sie moderierte mehrere Unterhaltungsshows der ARD und arbeitete als Sprecherin der Tagesschau. Im August 2006 erklärte die ARD, Eva Herman wolle ihre Arbeit für die Anstalt unterbrechen „und sich  verstärkt ihrer Tätigkeit als Autorin widmen“, vorerst für zwei Jahre. Das war allerdings, bevor sie aus der Kerner-Show flog.

Alice Schwarzer (*3. Dezember 1942 in Wuppertal) zählt zu den heftigsten Gegnern der Autorin Eva Herman. Gegen die Thesen des Eva-Prinzips giftete Deutschlands populärste Feministin bereits vor Erscheinen des Buches in ihrer Zeitschrift „Emma“: „Frauen sollten mit so einem Quatsch im Jahre 2006 keine Zeit mehr  verlieren.“ Zudem forderte sie:  Die „ARD muß sich fragen, ob ihre Tagesschau-Sprecherin mit so sexistischen Elaboraten nicht gegen die Grundsätze der Öffentlich Rechtlichen Rundfunkanstalten verstößt — und die vorgeschriebene ‚Glaubwürdigkeit‘ einer Nachrichtensprecherin demontiert!“ Offenbar hat sie sich nicht erfolglos um die „Glaubwürdigkeit“ gesorgt, denn wenig später teilte die ARD mit, Frau Herman habe um eine Arbeitspause gebeten … (Merke: Meinungsfreiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden – vorausgesetzt, sie denken konform).

Unehelich geboren, wuchs Alice Schwarzer bei ihren Großeltern auf. Die Journalistin gehörte 1971 zu den Initiatoren der Kampagne „Mein Bauch gehört mir.“ Sie wandten sich damit gegen den Paragraph 218, der die Abtreibung verbot. 374 Frauen bekannten in der Zeitschrift „Stern“: „Wir haben  abgetrieben!“ Dazu zählten auch so prominente Frauen wie Romy Schneider, Sabine Sinjen und Liz Verhoeven. Die Schauspielerin Senta Berger, die als Gast in der Kerner-Show anwesend war, als Eva Herman aus der Talkrunde die Tür gewiesen wurde, würdigte in einem Interview die Verdienste von Alice Schwarzer bei dieser Kampagne dermaßen: „Daß wir jetzt, 25 Jahre später, im Großen und Ganzen da sind, wo wir immer hinwollten, einem straffreien  Schwangerschaftsabbruch, verdanken wir in weiten Teilen ihrem Mut und ihrer nie nachlassenden Kampfbereitschaft.“  Alice Schwarzer erhielt das Bundesverdienstkreuz.

36 Jahre später räumte Alice Schwarzer allerdings ein, daß sie, wie andere Teilnehmerinnen der Aktion, in Wahrheit nicht abgetrieben habe. Obwohl sie lesbische Frauen immer wieder zum freien Bekenntnis der sexuellen Veranlagung aufforderte, hat sie sich selbst niemals erklärt.

Foto: Dicke Luft: Wenn Erwachsene überfordert sind, haben die Kinder das Nachsehen.


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