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01.12.07 / Feier bei »Mutter Rußland« / Die Linke in Königsberg versammelte sich am Tag der Großen Oktoberrevolution am Denkmal

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 48-07 vom 01. Dezember 2007

Feier bei »Mutter Rußland«
Die Linke in Königsberg versammelte sich am Tag der Großen Oktoberrevolution am Denkmal
von J. Tschernyschew und M. Ruoff

Obwohl der Tag der Großen Oktoberrevolution mittlerweile in der postsozialistischen Russischen Föderation kein offizieller Feiertag mehr ist, fanden in Königsberg an verschiedenen Orten Treffen statt. Morgens versammelten sich ältere Menschen am Denkmal „Mutter Rußland“. Nachmittags folgte ein Umzug des „Jugendhauses“ über den Leninprospekt bis zum Haus der Künste, vor dem im April dieses Jahres das Lenindenkmal aufgestellt wurde. Dort fand eine Versammlung von einigen hundert Menschen unterschiedlichen Alters mit linker politischer Gesinnung statt, darunter Kommunisten ebenso wie Anhänger der Partei „Patrioten Rußlands“. Die Versammelten schwenkten die Fahne der UdSSR, die Hymne der Sowjetunion und patriotische Lieder der Sowjetzeit ertönten. Die auftretenden Redner priesen die angebliche größere soziale Gerechtigkeit in der Sowjetzeit, als es noch nicht einen derart großen Unterschied zwischen Arm und Reich gegeben habe.

Königsberg ist kein Einzelfall. In Moskau sollen zum 90. Jahrestag der Oktoberrevolution 83 Parteidelegationen aus 75 Ländern der Welt zusammengekommen sein. Ostalgie ist eben nicht nur ein Phänomen im Osten der Bundesrepublik Deutschland.

90 Jahre ist es jetzt her, daß die Bolschewisten durch die Oktoberrevolution (die gemäß des gregorianischen Kalenders im November stattfand) in Rußland an die Macht kamen. Wie andere sozialistische Parteien auch sahen sich die Bolschewiki vor die Wahl gestellt, entweder auf legalem Wege über demokratische Wahlen oder auf illegalem Wege über eine Revolution die Macht anzustreben. Nach der Februarrevolution von 1917, welche ähnlich wie später in Deutschland die Novemberrevolution von 1918/19 die angestammte Monarchie beendet hatte, wurde diese Frage für die Bolschewisten konkret. Sollten sie sich an den für den 25. November geplanten Wahlen zur verfassungsgebenden Versammlung beteiligen oder nicht? Nachdem Lenin am 10. Oktober mit deutscher Hilfe aus dem Schweizer Exil heimlich nach Petrograd – dem vormaligen und heutigen Sankt Petersburg –  zurückgekehrt war, versammelte er zwölf der 21 Mitglieder des Zentralkomitees der bolschewistischen Partei um sich. Nach zehnstündiger Diskussion stimmte eine klare Mehrheit von zehn ZK-Mitgliedern gegen zwei für eine gewaltsame Lösung. Die militärische Organisation übernahm Trotzki. In der Nacht zum 25. Oktober begann in der damaligen russischen Hauptstadt der Aufstand mit den Schüssen des Kreuzers „Aurora“. Er war erfolgreich. Neben anderen strategisch wichtigen Punkten wurde das vor allem symbolisch bedeutende Winterpalais der Zaren und der Sitz der bürgerlichen provisorischen Regierung besetzt. Mit Ausnahme ihres Chefs Alexander Fjodorowitsch Kerenski, dem die Flucht gelang, geriet die provisorische Regierung in die Gewalt der aufständischen Bolschewiki, deren Anführer Lenin nun Kerenskis als erster Mann im Staate Rußland ablöste.

Foto: „Mutter Rußland“: Rote Fahnen prägten die Versammlungen der Linken am Denkmal im Zentrum Königsbergs.


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