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01.12.07 / Rückenschmerzen »wegschießen« / Eine neues Präzisionsgerät soll nicht zuletzt auch Kosten sparen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 48-07 vom 01. Dezember 2007

Rückenschmerzen »wegschießen«
Eine neues Präzisionsgerät soll nicht zuletzt auch Kosten sparen
von Rosemarie Kappler

Fast jede fünfte Frau und etwa jeder sechste Mann in Deutschland leiden unter chronischen Rückenschmerzen. Das hatte vor wenigen Jahren eine Untersuchung des Robert Koch-Instituts in Berlin gezeigt. Häufig versuchen Orthopäden Betroffenen mit der Injektion von Schmerzmitteln zu helfen. Daneben wurden schonende Operationstechniken entwikkelt, bei denen unter Röntgenkontrolle Kortison oder Schmerzmedikamente direkt im Bereich des Wirbelgelenkes plaziert werden können. Der Nachteil dieser Behandlungsmöglichkeit: Sie ist entweder sehr strahlenintensiv, nicht präzise genug oder kosten- und zeitaufwendig. Warum das so ist, erklärt Dr. Musa Citak von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) so: „Der Arzt plaziert zunächst die Nadel. Dann wird mit dem Computer-Tomographen eine Röntgen-Aufnahme gemacht. Ist die Richtung der Nadel nicht korrekt, muß sie umgesetzt und eine neue Kontroll-Aufnahme angefertigt werden.“

Citak ist der Leiter des Labors für computerassistierte Chirurgie und Robotik an der MHH. Dort hat er gemeinsam mit dem Unfallchirurgen Prof. Tobias Hüfner die zum Patent angemeldete „Pain Gun“ entwickelt, die mit den genannten Nachteilen Schluß machen will. Das System ermöglicht unter Bildschirmkontrolle das hochpräzise Einführen einer haarfeinen Nadel direkt in das Zentrum der Schmerzentstehung.

„Pain Gun“ besteht aus zwei innovativen Komponenten. Da ist zum einen die namensgebende Infiltrations-Pistole. In sie wird eine herkömmliche Spritze eingefügt, deren Kanüle statt der üblichen Durchmesser zwischen 2,5 Millimeter und 3 Millimeter nur noch 0,8 Millimeter mißt. Mit dem Abzug der Pistole kann die gewünschte Menge des Medikamentes direkt am Wirbelgelenk injiziert werden. Da die Gefahr besteht, daß sich eine solch dünne Nadel verbiegt und bricht, entwickelten die Medizintechniker eine spezielle Führungsvorrichtung. Die Infiltrations-Pistole wird dazu am Behandlungstisch befestigt und in die vorgegebene Richtung einjustiert. Die genannte Führungsvorrichtung erlaubt jetzt nur noch ein paralleles Verschieben des Schußapparates. „Weil die Nadel so mit sehr hoher Präzision zum Ziel geführt werden kann, ist es möglich, die Schmerzlinderung zu optimieren“, sagt Citak.

Für die Behandlung chronisch kranker Patienten könne die „Pain Gun“ einen großen Fortschritt bedeuten. Einerseits wegen ihrer Präzision, zum andern, weil sie wegen des Verzichtes von Röntgenaufnahmen weitaus kostengünstiger sei.

Derzeit befindet sich das Injektionsgerät noch in der Erprobung. Citak ist aber optimistisch: „Die Methode wird voraussichtlich 2009 zum ersten Mal am Patienten angewendet werden können.“


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