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08.12.07 / Besser als der Pisa-Ruf / Problemgruppen belasten Bildungserfolg der deutschen Schulen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 49-07 vom 08. Dezember 2007

Besser als der Pisa-Ruf
Problemgruppen belasten Bildungserfolg der deutschen Schulen
von Klaus D. Voss

Wer wird schon klug aus „Pisa“? Die Reaktion der Bildungspolitiker auf diesen OECD-Vergleich der Bildungssysteme ist zwiespältig, denn wer steckt gern schlechte Noten ein? Die Bildungspolitiker zum einen wollen kleinste Fortschritte als Erfolge feiern, andere Kultusminister den Pisa-Wettbewerb gleich ganz aufgeben – so wie es paßt.

Es ist ein großer Irrtum: Die vielfältig gegliederten Schulen in Deutschland bringen durchaus gute Schüler hervor, aufgeweckte Spitzenbegabungen und eine große Zahl ordentlicher Absolventen. Das deutsche Schulsystem ist deutlich besser als sein Pisa-Ruf. Es verkraftet sogar große Schülergruppen aus bildungsfeindlichen Schichten und erreicht so gesehen einen passablen Durchschnittswert. Ein starkes Fünftel jedoch unter den Schülern gilt nach Pisa-Bewertung als hochproblematisch.

Die Gruppen, die den deutschen Bildungsdurchschnitt nach unten ziehen, sind bekannt. Einmal die vernachlässigten Kinder aus Haushalten, deren Eltern Grundtugenden wie Disziplin und ein Minimum an Umgangsformen nicht vermitteln. Ohne diese sozialen Verhaltensweisen können sich die Kinder in der Schule Bildungsinhalte nicht erschließen. SPD-Chef Kurt Beck hat diese Schicht in der Gesellschaft als „Prekariat“ eingekreist; diese Gruppe wächst bedauerlich schnell.

Die zweite Gruppe, die das Schulsystem belastet, ist besonders ausbildungsfeindlich: Die Kinder der zweiten Einwanderergeneration verweigern größtenteils das Erlernen der deutschen Sprache und haben damit keinen erfolgversprechenden Zugang zur Schulbildung. „Code 99“ heißt das in der Pisa-Auswertung, völliges Versagen.

Diese Bildungsblockade wird inzwischen selbst von Politikern mit Multikulti-Sicht nicht mehr übersehen – sie ist das Problem an deutschen Schulen schlechthin. Finnland und Südkorea sind seit Jahren Spitzenreiter in allen Bildungsdisziplinen der Pisa-Wertung, und in diesen Ländern gibt es auch keine großen fremdsprachlichen Ausländergruppen. Kanada, das dritte Land an der Pisa-Spitze, betreibt seit vielen Jahren eine rigorose Integrationspolitik mit seinen Zuwanderern – es geht also auch anders. Frankreich hat ebenso große Probleme wie Deutschland, aber die Migrantenkinder aus Nordafrika sprechen Französisch als Muttersprache; in der Pisa-Skala steht Frankreich auch einige Plätze über Deutschland. Nicht so Österreich: Das Land hat vergleichbare Lasten mit den Zuwanderern wie Deutschland, daher sind auch die Pisa-Noten fast identisch.

Der große Irrtum Nummer zwei: die falschen Schüsse ziehen. Die Schulen müssen im guten Sinne Lehranstalten sein, aber sie werden mißbraucht als eine Art „soziales Ausgleichsamt“. Das Lieblingsprojekt der linken Bildungspolitik, den sozialen Aufstieg der Kinder über die Bildungswege zu ermöglichen, kann nur funktionieren, wenn das familiäre Umfeld mitwirkt. Die Unterstützung der Eltern und damit die Förderung der Familien ist das A und O der Gesellschaftspolitik. In Deutschland dringt die links dominierte Bildungspolitik aber auf andere Lösungen: Einheitsschule und Standard-Ausbildung, als gelte es, gleichschlechte Chancen für alle zu schaffen.

Reformen oder Reformversuche am Schulsystem bringen wenig. Das Schweizer Institut EPICE ließ Bildungsforscher schon vor drei Jahren die Antworten auf Pisa untersuchen, und man stellte mit einiger Süffisanz die Hilflosigkeit der Bildungspolitik fest. In den deutschen Bundesländern und den Schweizer Kantonen seien viele Reformmaßnahmen mit Pisa begründet und legitimiert worden, diese seien aber teils so gegensätzlich, daß festgestellt werden mußte: Pisa diente nur als Begründung für die gewünschten Reformschritte.


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