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08.12.07 / Äpfel und Nüsse oder Kolibris? / Eine Ausstellung in Hamburg zeigt Weihnachtsbaumschmuck im Laufe der Jahrhunderte

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 49-07 vom 08. Dezember 2007

Äpfel und Nüsse oder Kolibris?
Eine Ausstellung in Hamburg zeigt Weihnachtsbaumschmuck im Laufe der Jahrhunderte
von Silke Osman

Der würzige Duft der Tanne, der Duft nach Harz und Fichtennadeln bringt zu Weihnachten eine ganz besondere Stimmung in die Häuser. Die Handwerker waren es einst, die schon im 16. Jahrhundert einen mit Äpfeln, Nüssen, Brezeln und Papierblumen geschmückten grünen Baum zu Weihnachten für ihre Kinder aufstellten. Später waren es vor allem Adelsfamilien, die diesen Brauch in andere Länder exportierten. Durch Eheschließung gelangten sie zwar in andere Kulturkreise, nahmen aber ihr eigenes Brauchtum mit.

Auch die Sitte, auf öffentlichen Plätzen zu Weihnachten Tannenbäume aufzustellen, ist alt. So waren es Rigaer Kaufleute, die um 1500 eine große Tanne auf dem Marktplatz errichten ließen. Während man früher die Tannen aus den eigenen Wäldern holte, ist man heute auf Importe angewiesen. Dänemark, der größte Produzent für Weihnachten eigens angebauter Bäume, exportiert jährlich für über 125 Millionen Euro weihnachtliches Grün nach ganz Europa. Mittlerweile ist der geschmückte Tannenbaum in aller Welt beliebt, selbst in Ländern ohne christliche Tradition wie China oder Arabien wird er als Festtagshülse übernommen. Die große Nachfrage führte in diesem Jahr sogar zur Verknappung und zu einem Preisanstieg.

Was wäre der Weih-nachtsbaum aber ohne seinen Schmuck? Die diesjährige traditionelle Weih-nachtsausstellung im Altonaer Museum in Hamburg hat sich dieses Themas angenommen. Die umfangreiche Weihnachtssammlung der Husumer Verlegerin Alix Paulsen wird erstmals in eindrucksvoller Auswahl einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert. Zu entdekken ist die spannende Entwicklung vom selbst gemachten Weihnachtsschmuck zu den Manufakturen und Fabriken in den deutschen Weihnachtsgegenden wie dem Erzgebirge, Thüringen oder Franken, denn immer mehr ersetzten den ursprünglichen, meist eßbaren Baumschmuck die glitzernden und glänzenden Glaskugeln etwa aus Lauscha. Aber auch Oblaten und anderer Schmuck aus Papier und Pappe eroberten die Herzen zu Weihnachten. „Mode und Zeitgeschmack wurden weitgehend vom amerikanischen Markt und dessen Ankäufern bestimmt“, moniert Thorkild Hinrichsen, Direktor des Altonaer Museums und Experte in Sachen Weihnachten. Der inländische Bedarf mußte sich somit unterordnen. Schon 1893 kritisierte „Die Gartenlaube“ die „entzückenden Nichtigkeiten, die den Christbaum zu einem Feengeschenk stempeln, das sinnverwirrend berauschend wirkt“. „Blaublinkende Sterne mit silbernen Kometenstreifen, goldiges und farbiges Engelshaar, farbenglühende Schmetterlinge und gaukelnde Kolibris“ hätten vergoldete Äpfel und Nüsse abgelöst. – Worte, die heute geschrieben sein könnten.

Wenn auch die Altonaer Ausstellung in diesem Jahr nicht so groß und prächtig ausgefallen ist wie gewohnt, so kann sie doch jedem, der sich auf die liebevoll präsentierten Exponate einläßt, die entsprechende Weihnachtsstimmung vermitteln.

Die Ausstellung „Das ist die liebe Weihnachtszeit“ im Altonaer Museum, Museumstraße 23, 22765 Hamburg, ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 21 Uhr zu sehen,  25., 26. Dezember von 10 bis 18 Uhr, Heiligabend, Silvester und Neujahr geschlossen, Eintritt 6 /3,50 Euro, bis 6. Januar.

Foto: Gruß zum Fest: Postkarte aus dem Jahr 1909


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