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08.12.07 / Verraten und verkauft / Jürgen Liminski über falsche Familienpolitik

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 49-07 vom 08. Dezember 2007

Verraten und verkauft
Jürgen Liminski über falsche Familienpolitik

Jürgen Liminski ist wahrlich kein unbeschriebenes Blatt, wenn es um das Thema Familie und Familienpolitik geht. Zum einen schöpft der Journalist, der heute für den „Deutschlandfunk“ arbeitet und früher unter anderem Ressortleiter Außenpolitik der Tageszeitung „Die Welt“ war, aus dem realen Leben: Mit seiner Frau Martine hat Liminski zehn Kinder. Zum anderen hat er bereits 2005 gemeinsam mit seiner Gattin das Buch „Abenteuer Familie“ geschrieben. In seinen zahllosen Artikeln und Kommentaren für diverse Zeitungen und Zeitschriften ist überdies immer wieder von der Familie die Rede.

In seinem Vorwort betont der Bischof von Augsburg, Walter Mixa, wie wichtig Liminskis Anliegen sei: „Familienpolitik hat sich in den zurückliegenden Jahren unter dem wachsenden Einfluß von Pseudowerten einer familienfeindlichen Ideologie, die ihre Wurzeln in der Kulturrevolution von 1968 hat, zu einem feministischen Experimentierfeld entwickelt: zum Schaden der Mütter, der Kinder und der Familien.“

Liminski versteht sein 176 Seiten starkes Buch als eine „Kampfansage“ – vor allem an die Programme und Ideologien, die er für familienfeindlich hält. Schon im Vorwort macht der Autor deutlich, daß der „Verrat an der Familie“ aktuell vor allem auf das Konto der Großen Koalition und des „politisch-medialen Establishments“ gehe.

Kinder passen auch nicht in das Denken der gegenwärtigen Arbeits- und Wirtschaftswelt. Dazu zitiert der Verfasser den Wirtschaftstheoretiker Friedrich List (1789–1846): „Wer Schweine erzieht, ist ein produktives, wer Menschen erzieht, ein unproduktives Mitglied der Gesellschaft.“ Familienarbeit war für Adam Smith eine Leerstelle, in seinem Hauptwerk „Der Wohlstand der Nationen“ findet sie keine Erwähnung, so Liminski. Diese Vernachlässigung der Frauen- und Familienarbeit wirke bis heute nach.

Besonders familienvergessen seien die Journalisten. Dies habe unter anderem damit zu tun, daß sie überwiegend kinderlos und politisch zu zwei Dritteln links von der Mitte anzusiedeln seien. Wenn diese Meinungsmacher mit den oft ebenfalls kinderlosen oder in ungefestigten und rasch wechselnden Partnerschaften lebenden Politikern zusammenhocken, dann kann daraus für die Familie nichts Positives herumkommen.

Besonders lesenswert sind die Passagen, in denen sich der Autor für die „Nur“-Hausfrauen und Mütter stark macht. Reden wir nicht um den heißen Brei. Die jahrzehntelange Geringschätzung der Hausarbeit und der Kindererziehung hat bei uns allen Spuren hinterlassen. Wir alle neigen bewußt oder unbewußt dazu, außerhäusliche Erwerbsarbeit höher zu schätzen. Dies liegt sicher auch daran, daß unsere Gesellschaft auf Euro und Cent fixiert ist. Und entlohnte Erziehungsarbeit und Rentenansprüche für Mütter gibt es bei uns eben nicht.

Die rot-grüne Bundesregierung, so Liminski, habe den Beruf der Prostituierten anerkannt, den der Hausfrau und Mutter aber nicht.

In der Person von Ursula von der Leyen propagiert und bevorteilt der Staat jedoch das Doppelverdienermodell. Frauen, die das Wohl ihrer Kinder und die eigene Gesundheit nicht opfern wollen und zumindest einige Jahre zuhause bei der Familie bleiben möchten, sind zumindest in finanzieller Hinsicht schlecht gestellt.

Dieses Land muß mehr in Kinder investieren – finanziell wie moralisch. Statt dessen betrachtet man diese Ausgaben immer nur als Kosten, fast nie als Investition in die Zukunft. Das Erschrecken wird dann besonders groß sein, wenn der demographische Wandel erstmals richtig im Portemonnaie der Bürger spürbar wird. Liminskis Forderungen laden zur Debatte ein. Mag sein Vorschlag für ein Familienwahlrecht manchen als abwegig erscheinen, dürften die anderen Vorschläge breitere Zustimmung erfahren. Die Ungerechtigkeiten gegenüber der Familie, die sich im Steuersystem, bei der Erhöhung der Mehrwertsteuer, der Kürzung der Pendlerpauschale und der Wohnungsbauförderung niederschlagen, müssen zurückgenommen werden. Es ist auch nicht einzusehen, warum Eltern, die ihr Kind selbst oder in privater Initiative mit anderen Eltern betreuen wollen, nicht ein Betreuungsgeld in Höhe der Kosten eines Krippenplatzes zusteht. In Thüringen ist dies schon lange Praxis. Die Ideologen verunglimpfen dieses Stück Gerechtigkeit gern als „Herdprämie“.

Gibt es noch Hoffnung? Oder muß man Liminski zustimmen, der schreibt, Familienpolitik sei in Deutschland eine Politik ohne Zukunft? Egal, ob das Glas nun halb voll oder halb leer ist. Wenn Liminskis Schlußfolgerung stimmen sollte, dann hat dieses Land bald keine Zukunft mehr. Dann leben wir – wie jetzt schon in Sachsen-Anhalt zu besichtigen – in einem kaum zu finanzierenden Altenheim ohne Kinder und ohne Leben.     Ansgar Lange

Jürgen Liminski: „Die verratene Familie. Politik ohne Zukunft“, Sankt Ulrich Verlag, Augsburg 2007. 176 Seiten, 18,90 Euro, Best.-Nr. 6475


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