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08.12.07 / Ein Nobelpreisträger, der aus Breslau stammt / Die Born-Oppenheimer-Näherung und die Bornsche Näherung in der Streutheorie erinnern an die Leistungen Max Borns

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 49-07 vom 08. Dezember 2007

Ein Nobelpreisträger, der aus Breslau stammt
Die Born-Oppenheimer-Näherung und die Bornsche Näherung in der Streutheorie erinnern an die Leistungen Max Borns
von Corinna Weinert

Max Born wurde am 11. Dezember 1882 in Breslau / Schlesien geboren. Nach der Schulausbildung studierte Born ab 1901 in Breslau, Heidelberg, Zürich, Cambridge und Göttingen zuerst Rechtswissenschaften und Moralphilosophie, dann Mathematik, Physik und Astronomie. 1906 promovierte er bei David Hilbert in Göttingen. Später war er Mitarbeiter von Hermann Minkowski. 1909 habilitierte er sich. Er befaßte sich unter anderem mit den Folgen der Relativitätstheorie für die Physik fester Körper und mit der Theorie atomarer Kristallgitter.

Born war zunächst Privatdozent in Göttingen und wurde dann außerordentlicher Professor für theoretische Physik in Berlin, wo er mit Max Planck, Albert Einstein und Walther Hermann Nernst zusammenarbeitete. 1919 erhielt er seinen ersten Lehrstuhl in Frankfurt am Main. Von 1921 bis 1933 war Born Professor in Göttingen.

Hier entwickelte er unter anderem mit Wolfgang Pauli, Werner Heisenberg und Pascual Jordan große Teile der modernen Quantenmechanik. Nach ihm benannte Verfahren wie die „Born-Oppenheimer-Näherung“, die im Jahre 1928 zum Orbitalmodell führte, und die „Bornsche Näherung“ in der Streutheorie erinnern an seine Pionierleistungen. Er entwickelte die statistische Interpretation der Wellenfunktion, die später als „Kopenhagener Deutung“ bekannt wurde und für die er – allerdings erst zwei Jahrzehnte später – den Nobelpreis erhielt.

Born beschäftigte sich auch mit theoretischer Optik, über die er mit Emil Wolf ein heute noch bedeutendes Lehrbuch geschrieben hat.

1933, nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, wurde Max Born wegen seiner jüdischen Vorfahren und seiner pazifistischen Einstellung zwangsbeurlaubt. Er emigrierte nach England. Dort hatte er ab 1934 eine Professur in Cambridge, ab 1936 eine an der Universität von Edinburgh, wo er bis zu seiner Rückkehr nach Deutschland 1953 als Dozent tätig war. Born wurde im Jahre seiner Rückkehr zum Ehrenbürger der Stadt Göttingen ernannt, wo einst seine Karriere begonnen hatte. In Göttingen befindet sich auch das Grab von Born, der am 5. Januar 1970 verstarb, obwohl er zuletzt nicht in Göttingen selbst, sondern im nahegelegenen Bad Pyrmont lebte.

Mit Einstein verband Born eine lebenslange enge Freundschaft, auch wenn Einstein die Arbeiten von Born in Bezug auf die Quantentheorie skeptisch betrachtete. Der Briefwechsel mit Einstein, der unter anderem für die Geschichte der Interpretation der Quantenmechanik interessant ist, wurde in Buchform veröffentlicht.

Born versuchte auch immer wieder, sich mit Reden zu gesellschaftspolitischen und philosophischen Themen Gehör zu verschaffen. So wandte er sich gegen die atomare Aufrüstung der Bundeswehr und sah sich als Mahner für die politische Vernunft in einer Welt, die verändert war durch die gewaltigen Möglichkeiten, welche die Wissenschaft, der er gedient hatte, den Menschen in die Hand gab. Er wies eindringlich auf die Verantwortung der Menschen hin, die neugewonnene Macht vernünftig zu nutzen.


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