01.12.2021

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08.12.07 / Findelkind sucht Eltern / Südkoreanerin findet Mutter

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 49-07 vom 08. Dezember 2007

Findelkind sucht Eltern
Südkoreanerin findet Mutter

Anneli Schinkel, ein urdeutscher Name möchte man meinen, doch das Gesicht der jungen Frau, die diesen Namen trägt, zeigt fremdländische Züge, die so gar nicht deutsch anmuten. Das liegt daran, daß die 1982 Geborene ein Adoptivkind aus Korea ist. Allerdings fühlt sich Anneli äußerst deutsch, doch als ihr eines Tages eine Einladung aus Südkorea in den Briefkasten flattert, kann die Schülerin nicht widerstehen. „Ich wuchs in Geborgenheit auf und kann mir kein besseres Zuhause vorstellen. Und doch beschloß ich eines Tages, auf Spurensuche zu gehen. Auf die Suche nach meinen Wurzeln, nach meiner Mutter. Sie anzuschauen und zu sehen, ob ich ihr ähnlich bin, das war mein großer Wunsch. Gibt es irgendwo einen Menschen auf dieser Welt, dem ich ähnle? Von dem ich das fröhliche Lachen habe, die Nase, die Augen?“

Ihre Adoptiveltern bestärken Anneli, die Einladung anzunehmen. Was sie auf dieser Reise in ihr Geburtsland erlebte, schildert die Studentin in „Seidentochter – Ein Adoptivkind aus Korea findet seine leiblichen Eltern“.

Anneli Schinkel schildert, wie sie mit 29 Schicksalsgefährten nach Südkorea reiste und kaum Hinweise auf ihre Herkunft hatte. Da sie vor einem Waisenhaus abgelegt worden war und schon mit vier Monaten zur Adoption nach Deutschland gegeben wurde, hat sie selber überhaupt keine Erinnerungen. Doch in einer Fernsehshow in Südkorea erzählt die junge Deutsche ihr Schicksal und das Unglaubliche passiert: Es meldet sich eine Frau, die angibt, ihre Mutter zu sein. Und dann der Anruf: „Der Fernsehsender hat das Ergebnis der DNA-Analyse. Es ist zu 99,9 Prozent positiv. Du hast deine Mutter gefunden.“

Nachvollziehbar beschreibt die Autorin, was in ihr vorging.

Erstaunlich erscheint allerdings die Tatsache, daß über alle Freude, ihre Mutter kennenlernen zu können, auch Schuldgefühle aufkommen. Vor allem gegenüber ihrem Bruder Jannik, ebenfalls ein Adoptivkind aus Südkorea, fühlt sie sich vom Glück bevorzugt … allerdings nur kurzfristig.

Vor laufender Kamera lernt Anneli dann ihre leiblichen Eltern kennen und fühlt sich von Gefühlen überwältigt, doch ihr bleibt nur wenig Zeit mit ihrer Mutter, denn diese erkrankt an Krebs. Das Kennenlernen wird gleichzeitig ein Abschiednehmen.

„Viele Adoptierte haben Angst vor der Suche nach der leiblichen Familie. Ich kann diese Angst verstehen. Mit meiner Geschichte möchte ich zeigen, daß selbst ein Findelkind das Glück haben kann, Licht ins Dunkel der eigenen Biographie zu bringen.“            Bel

Anneli Schinkel: „Seidentochter – Ein Adoptivkind aus Korea findet seine leiblichen Eltern“, Ehrenwirth, Bergisch Gladbach 2007, geb., 251 Seiten, 16,95 Euro, Best.-Nr. 6477


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