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15.12.07 / Vom Publikum geliebt / Ausstellung über die Entwicklung der Tonfilmoperette

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 50-07 vom 15. Dezember 2007

Vom Publikum geliebt
Ausstellung über die Entwicklung der Tonfilmoperette

Die deutsche Tonfilmoperette stellt eine Besonderheit in der Filmgeschichte dar: Von der zeitgenössischen Kritik geschmäht, ein Kassenmagnet beim Publikum, politisch von links wie rechts angegriffen, erlebte sie nur eine kurze Blütezeit zwischen 1929 und 1933. Für diesen knappen Zeitraum dominierte sie das Unterhaltungskino. Sie verbuchte die größten Kassenerfolge jener Jahre („Die Drei von der Tankstelle“ und „Der Kongreß tanzt“), die beliebtesten Stars und die meist verkauften Schlager.

Das Museum für Film und Fernsehen stellt das Genre mit einer Sonderausstellung auf rund 450 Quadratmetern vor und bettet es in den zeithistorischen Kontext der Weimarer Republik ein. Die Schau zeigt das Entstehen und die Merkmale dieser Spielart des Musikfilms sowie ihre Vermarktungsstrategien und verfolgt das Schicksal der vielen an der Produktion beteiligten jüdischen Künstler bis ins Exil.

Die Tonfilmoperette entstand als Reaktion auf die technische Revolution des Tonfilms, sie brachte neue Produktionsbedingungen mit sich: Als die Bilder sprechen lernten, änderte sich das Verhältnis von Film und Musik maßgeblich. Die Filmmusik wurde auf die Tonspur gebannt und Kinomusiker, die bisher Stummfilme musikalisch untermalten, wurden arbeitslos. Filme zu synchronisieren war in der Frühphase des Tonfilms technisch noch nicht möglich. Aus diesem Grund wurden sie für den ausländischen Markt in mehreren Fassungen gedreht, in den gleichen Dekorationen, meist aber mit anderen Darstellern.

Die Tonfilmoperette ist auch ein Musterbeispiel moderner Vermarktungsstrategien. Die Schlager wurden im Film häufig wiederholt, anschließend von Tanzkapellen und im Radio gespielt. Trotz frivoler Beschwingtheit und Nähe zum mondän-bürgerlichen Milieu reflektierten die Filme den Alltag der Weimarer Republik. Sie enthielten selbstironische Kommentare zu zeitgenössischen Themen wie Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit und tradierten Geschlechterbeziehungen. Die Tonfilmoperette ist Ausdruck der Widersprüchlichkeit dieser Jahre, die sowohl von wirtschaftlicher Krise und politischen Auseinandersetzungen als auch liberaler und fortschrittlicher Atmosphäre der modernen Großstadt geprägt waren.

Gezeigt werden Exponate aus dem Archiv der Deutschen Kinemathek und Leihgaben, wie Originalpartituren, Drehbücher, Schallplatten Requisiten, Kostüme, Kostümentwürfe, Szenenbildentwürfe, Manuskripte, Plakate und zahlreiche Medienstationen. Drei Kino-Einbauten zeigen die Bandbreite der Aufführungspraxis. Hier können die Besucher im Original-Kinoambiente Filmausschnitte mit den Stars Lilian Harvey, Käthe von Nagy, Willy Fritsch und Willi Forst wiedersehen oder neu entdecken. pm

Die Ausstellung im Berliner Museum für Film und Fernsehen, Potsdamer Straße 2, ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr geöffnet, Eintritt 6 / 4,50 Euro, vom 20. Dezember 2007 bis 27. April 2008.


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