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22.12.07 / Vom Rokoko zum Klassizismus / Die Deutsche Post ehrt den Baumeister Carl Gotthard Langhans zum 275. Geburtstag mit einer Sonderbriefmarke

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 51-07 vom 22. Dezember 2007

Vom Rokoko zum Klassizismus
Die Deutsche Post ehrt den Baumeister Carl Gotthard Langhans zum 275. Geburtstag mit einer Sonderbriefmarke
von Silke Osman

Eine neue 55-Cent-Briefmarke der Deutschen Post zeigt das Brandenburger Tor in der Reproduktion einer Aquatintaradierung von Daniel Berger nach einer Zeichnung von Peter Ludwig Lütke d. J. aus dem Jahr 1798. Doch nicht an das Bauwerk soll hier erinnert werden, sondern an seinen Schöpfer Carl Gotthard Langhans. „Mit Langhans findet Preußen, dessen friderizianisches Rokoko schon seit langem unmodern geworden war, wieder Anschluß an die zeitgenössischen architektonischen Strömungen“, heißt es in der Begründung.

Langhans wurde vor 275 Jahren, am 15. Dezember 1732 im schlesischen Landeshut als Sohn eines Lehrers geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Schweidnitz. Von 1753 bis 1757 studierte er Jura in Halle. Schon früh hatte sich Langhans für das Baugeschehen in Schweidnitz interessiert, und so ließ er sich während seines Studiums auch in Mathematik ausbilden und nahm Zeichenkurse. Nebenher beschäftigte er sich mit den antiken Schriften des römischen Architekturtheoretikers Vitruv.

1763 erhielt er seinen ersten großen Auftrag – die Erweiterung des barocken Südflügels des Trachenberger Schlosses. Diverse Kirchenbauten, Schlösser und Privathäuser in Schlesien sollten folgen. Aber auch in Brandenburg und in Berlin hinterließ sein Wirken Spuren. So forderte Prinz Heinrich von Preußen den damals noch unbekannten jungen Architekten auf, in Schloß Rheinsberg eine Reihe von Räumen für seine Gemahlin, Prinzessin Wilhelmine, umzubauen. Der prachtvolle Muschelsaal zeigt noch heute den Übergang vom Rokoko zum Klassizismus.

Allen Unbilden zum Trotz haben einige Bauwerke, die Langhans in Berlin und Charlottenburg entworfen hat, die Zeitläufte überstanden, so die Kolonnaden in der Mohrenstraße, die Turmspitze der Marienkirche, die Anatomie der Tier-arzneischule, das Schloßtheater und das Belvedere im Charlottenburger Schloßpark und natürlich das Brandenburger Tor. Im Schloß Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten, zählt der wiederaufgebaute ovale Tanzsaal mit den acht korinthischen Säulen zu den Schmuckstücken Langhans’scher Baukunst.

Weniger Anerkennung fand Langhans, der 1788 mit der Ernennung zum Direktor des Berliner Oberhofbauamtes schließlich zu einem der führenden Architekten seiner Zeit avancierte, mit dem Bau des Nationaltheaters am Gendarmenmarkt. Das 2000 Zuschauerplätze fassende Theater gehörte zu den größten Bühnen in Preußen. 1802 konnte es mit der Aufführung von Kotzebues „Kreuzfahrern“ eingeweiht werden. Spötter sprachen wegen seiner ungewöhnlichen Form und seines unförmigen fast 80 Meter langen gewölbten Daches vom „Koffer“, und Kritiker monierten die schlechte Akustik. Langhans, der sich in einer seiner wenigen theoretischen Schriften mit akustischen und optischen Grundsätzen beschäftigte, gab den Schauspielern die Schuld, wenn man sie nicht höre. – Dem Theater war keine lange „Spielzeit“ vergönnt. Im Juli 1817 ging es in Flammen auf, mitsamt den Kulissen und Kostümen von E. T. A. Hoffmanns „Undine“. Karl Friedrich Schinkel baute es wieder auf – unter Verwendung der unbeschädigten ionischen Säulen des Portikus. Bis heute erinnern sie so an Carl Gotthard Langhans, den großen preußischen Baumeister, der am 1. Oktober 1808 in seinem Haus in Grüneiche (Schlesien) starb.


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