27.11.2021

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
22.12.07 / Bloß keinen Fusel / Wie man ohne Kater ins neue Jahr startet

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 51-07 vom 22. Dezember 2007

Bloß keinen Fusel
Wie man ohne Kater ins neue Jahr startet
von Haiko Prengel

Am Neujahrstag werden wieder Millionen Bundesbürger mit elenden Kopfschmerzen aufwachen. Schließlich findet zu Silvester die Party des Jahres statt, und da zeigen sich selbst Partymuffel ungewohnt trinkfreudig. Doch das rauschende Fest muß nicht zwangsläufig im Delirium enden: „Mit ein paar Tricks kann man den Kater am Morgen danach vermeiden“, sagt Sven-David Müller-Nothmann, Vorsitzender des Deutschen Kompetenzzentrums für Gesundheitsförderung und Diätetik in Köln.

Allerdings gelingt das nicht, indem man auf altbekannte Trinksprüche wie „Bier auf Wein – das laß sein“ oder „Wein auf Bier – das rat ich dir“ setzt. „Diese Empfehlungen entbehren jeglicher wissenschaftlichen Grundlage“, betont Müller-Nothmann. Aber es spiele durchaus eine Rolle, womit man sich beschwipst: „Je schlechter die Qualität des Getränks, desto wahrscheinlicher ist der Kater“, sagt der Ernährungsexperte.

Billige Weine beispielsweise sind häufig stark geschwefelt und enthalten sogenannte Fuselöle – Nebenprodukte des Gärungsprozesses, die beträchtliche Kopfschmerzen auslösen können. Das gleiche gilt für minderwertige Schnäpse. Auch zuckrige Cocktails sind bedenklich: Zucker beschleunigt die Aufnahme des Alkohols, deshalb sollte man beim Wein oder Sekt zu trockenen Varianten greifen. Mit Bier macht man Müller-Nothmann zufolge am wenigsten falsch: Der Gerstensaft enthält mit 4,5 bis 6 Prozent vergleichsweise wenig Alkohol und relativ viele Nährstoffe.

„Besonders wichtig ist auch, daß man parallel zum Bier, Wein und vor allem zu Hochprozentigem ausreichend Wasser trinkt“, betont der Experte. Denn Alkohol fördert die Harnausscheidung über die Nieren (Diurese). Man muß häufiger zur Toilette und verliert dadurch viel Flüssigkeit und Elektrolyte. Das verstärkt die Kopfschmerzen am nächsten Morgen und macht sich zudem durch großen Nachdurst bemerkbar. „Meine Empfehlung: Nach einem Glas Bier immer ein Glas Mineralwasser trinken“, sagt Müller-Nothmann.

Darüber hinaus sollte man nicht auf nüchternen Magen in die Silvesternacht starten, sondern mit einer Mahlzeit die Aufnahme des Alkohols bremsen. Eine gute Grundlage sind salz- und fetthaltige Speisen wie beispielsweise ein Frikadellenbrötchen oder eine Portion Matjeshering. Dieser enthält viel Salz, was einem Mangel an Elektrolyten vorbeugt. Während der Party kann man ab und zu ein paar Salzstangen knabbern.

Wacht man Neujahr dennoch mit einem Brummschädel auf, war vermutlich die Menge des getrunkenen Alkohols einfach zu groß.

„Alkohol ist auch ein Nervengift. Wenn wir zu viel davon aufnehmen, nützt natürlich die beste Unterlage nichts mehr“, sagt Müller-Nothmann. Dann hilft manchmal nur Acetylsalicylsäure, um die Kopfschmerzen einigermaßen erträglich zu machen. Auch viel Wasser trinken ist wichtig. Am besten eignet sich stilles Mineralwasser, um den angegriffenen Magen nicht noch zusätzlich mit Kohlensäure zu belasten. Eine Magnesiumtablette gibt dem Körper das wichtige Elektrolyt zurück und bekämpft ebenfalls die Kopfschmerzen.

Anstatt den Tag nach der großen Party im Bett zu verbringen, bietet sich ein Spaziergang an der frischen Luft an. Das beschleunigt den Alkoholabbau und wirkt sich zudem positiv auf die Stimmung aus. Denn die ist Neujahr bei vielen ohnehin nicht nur wegen des Katers im Keller.

„Viele Menschen setzen sich zum Jahresbeginn mit guten, aber unrealistischen Vorsätzen stark unter Druck“, sagt Rainer Künstler, Psychotherapeut in München. Klassisch ist der Vorsatz, mit dem Rauchen oder Trinken aufzuhören. Aber auch Vorhaben für ein harmonischeres Familien- oder ein erfolgreicheres Berufsleben sind beliebt.

„Neujahr stellt eine Zäsur im Kalender dar, anhand der man sich durchaus effektiv zu einer Veränderung im Leben motivieren kann“, sagt Künstler.

Viele scheiterten aber rasch, weil sie ihre Fähigkeiten überschätzten und zu wenig konkret blieben. „Der Wunsch, im neuen Jahr endlich glücklich zu sein, ist zu unspezifisch“, erläutert der Psychologe.

Besser sei, die Formulierung konkret zu formulieren, zum Beispiel von nun an einmal in der Woche Sport zu treiben oder sich an einem bestimmten Tag mit den liebsten Freunden zu treffen. „Solch bescheidene Vorsätze erhöhen die Chance, daß das neue Jahr tatsächlich ein besseres wird“, sagt Künstler.


Artikel per E-Mail versenden
  Artikel ausdrucken Probeabo bestellen Registrieren