27.11.2021

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22.12.07 / Der Wochenrückblick mit Hans Heckel

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 51-07 vom 22. Dezember 2007

Nie wieder Flut!/ Warum noch viel mehr getan werden muß, wogegen wir auf den Deich klettern, und wie Sozialismus Spaß macht
Der Wochenrückblick mit Hans Heckel

Sie haben keine Angst? Dann gehören Sie zu den absonderlichen 20 Prozent der Deutschen, die sich einer neuen Studie zufolge als „sorgenfrei“ bezeichnen. Wir übrigens ängstigen uns immer vor irgendwas. Und sobald der eine Panikschub ausklingt, sorgen routinierte Fachleute für schnellen Ersatz.

Damit erweisen sie uns einen großen Dienst. Angst haben ist nämlich nicht nur populär, sondern auch die unverzichtbare Basis fürs Ansehen in der Gesellschaft. Angstmangel ist in unserem modernen Deutschland das Kainsmal der Dummköpfe, Kriegstreiber und Unsensiblen. Wer beispielsweise Anfang der 80er Jahre keine Angst hatte vor dem Atomkrieg, Mitte der 80er vor dem Waldsterben, Ende jenes Jahrzehnts vor dem Überwachungsstaat (Volkszählung 1987), wer 1990 nicht wegen der neuen deutschen Großmannssucht aus der Fassung geriet oder in den übrigen 90ern nicht ganz krank war aus Sorge über den ständig wachsenden Rechtsextremismus, den konnte man auf keine Party einladen, ohne den übrigen Gästen einen triftigen Rechtfertigungsgrund dafür zu liefern.

Angst kommt natürlich nicht von selbst, sie muß wie alle wertvollen Dinge produziert und am Markt durchgesetzt werden. Darum kümmert sich die Angstindustrie, welche die Routiniers aus Medien, Politik, jederzeit abrufbereiten Experten („Es ist fünf nach zwölf!“) und staatlich alimentierten „Beauftragten“ errichtet haben.

„Beauftragte“ erkennen Sie an ihrem Schlachtruf, der immer der gleiche ist, egal worum es geht. Er lautet: „Es muß noch viel mehr getan werden!“ Danach folgt die unabdingbare Forderung nach mehr staatlichen Mitteln für ihre wichtigen „Projekte“ und zusätzliche Planstellen.

Wissenschaftler loben die Flexibilität und den Einfallsreichtum der Angstindustrie. Sie hat es trotz des schwunghaften Aufs und Abs der Angstkonjunkturen immer geschafft, auch noch so peinlich gähnende Lücken sofort zu schließen. Solche Lücken entstehen fast zwangsläufig, der Grund ist struktureller Natur: Das Mittel der Angstproduktion ist die Prophezeiung. Regelmäßig aber verlieren die Leute die Lust am Gruseln, wenn mehrere Jahre nach zwölf das vorhergesagte Inferno immer noch nicht eingetroffen ist. Der Atomkrieg blieb aus, der Wald stirbt seit über 25 Jahren gemächlich vor sich hin, und statt der NPD schwingt eine „Linkspartei“ im Reichstag ihre Reden.

Macht nichts, der neue Verkaufsschlager der Angstindustrie macht das alles wett, Sie kennen ihn natürlich: Das Klima.

Nach einer neuen Untersuchung steht die Angst vor Hitzetod und Sintflut allerdings nur auf Nummer zwei unserer Hitliste, am meisten Magengrimmen verursacht uns die Inflation. Das liegt vielleicht daran, daß es Klima nur im Fernsehen gibt, abgesehen von der Stromrechnung. Aber die ist ja dann schon wieder Inflation, die uns in diversen Gewändern jeden Tag und überall auflauert, leibhaftig.

Aber immerhin, Platz zwei ist auch nicht schlecht. Das Produkt hat sich durchgesetzt, seitdem niemand mehr ernsthaft bestreiten will, daß „noch viel mehr getan werden muß“.

Nicht schlecht? Machen wir uns da nichts vor? Platz zwei ist jedenfalls nicht Spitze. Das zu feiern klingt wie „dabei sein ist alles“ – die Parole der Verlierer! Man müßte die Sache mit etwas anderem bündeln, eine Art Angst-Joint Venture schmieden mit „Synergieeffekten“ – so was würden, glaube ich, die Unternehmensberater vorschlagen.

Al Gore hatte zum Gipfel auf der klimawarmen Insel Bali die zündende Idee: Das mit der Klimakatastrophe sei so wie mit Hitler damals, auch jetzt zögere die Welt viel zu lange, statt das Monster frühzeitig zu erlegen.

Heureka! Damit ist dem Klima Platz eins auf der deutschen Angstparade so gut wie sicher. Die Erregungspotentiale von einfachem Klima und Hitlerklima sind überhaupt nicht zu vergleichen. Was ist schon der Hinweis auf „verdächtig warmes Wetter“ gegen die Mahnung, „es geht schon wieder los“? Alle Kräfte können jetzt vereint werden, im Kampf gegen das Nazi-Klima darf niemand abseits stehen.
In Berlin wird die Antifa nächstes Jahr Naziwolken schieben, und wenn es einen frühen Herbst gibt wegen Trockenheit, können wir in tiefstem Güntergrassdeutsch grollen gegen die Ignoranten, die – „63 Jahre danach“ – nicht sehen wollen, daß im ganzen Land das Grün sich bräunt, wogegen endlich „viel mehr getan werden muß“, weil es nämlich schon „fünf nach zwölf ist“.

Und dann der Meeresspiegel! Nach jeder Ebbe werden wir zur Mahnwache auf den Deich klettern und standhaft der heranbrausenden braunen Welle entgegenbrüllen: „Nie wieder Faschismus, nie wieder Flut!“

Die Mahner jammern ja immer, daß die Menschen sich scheuten, unvermeidliche Einschnitte fürs Klima hinzunehmen. Von der Sorge hat sie Gore befreit. Bei dem Nazikram können die Einschnitte nicht tief genug sein. Gerade erst kam die Meldung rein: Laut rechtsmedizinischem Gutachten hat sich die 17jährige aus Mittweida, die behauptet, Nazis hätten ihr ein Hakenkreuz in die Hüfte geritzt, das Kreuz möglicherweise selbst beigebracht. Sie sehen: Im Kampf gegen rechts können uns selbst schmerzhafteste Einschnitte nicht schocken. Al Gore versteht sein Geschäft, bei der globalisierten Angstindustrie ist er eine ganz große Nummer. In seiner „unbequemen Wahrheit“ werden sich dank der unverhofften Hitleraufwärmung selbst diejenigen wohlfühlen, denen das Wetter bislang gar nichts ausmachte, weil sie dessen rechtsradikale Struktur nicht wahrhaben wollten.

Die Medien lieben den Gore und helfen ihm, wo sie können. Vor allem machen sie die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft immer brandaktuell bekannt. Dieses Jahr titelte eine sehr große deutsche Zeitung mit der Nachricht, daß 2020 die Welt untergeht; nur noch 13 Jahre habe unser Planet Zeit, um das Klimadesaster abzuwenden.

Welches Glück für die Zeitungsmacher, daß die Wissenschaftler den Untergang der Erde nicht schon für Juli 2018 ermittelt hatten. Was für eine blöde Schlagzeile hätte das dann gegeben! „2018 einhalb geht die Welt unter!“ Das schreit nicht, das stammelt. Erfreulicherweise aber kam bei den Berechnungen der Klimaexperten exakt das heraus, was die Zeitungsmacher für eine fetzige Schlagzeile benötigten. Beim Klimathema ist das erstaunlich oft so. Das ist das Tolle an Medien, daß wir durch sie immer auf Tuchfühlung mit den Ereignissen sind, ganz nah und in Echtzeit – live! Das Schicksal von Marco Weiss begleiteten die Medien täglich, immer mit einem topaktuellen Foto des armen Jungen. Da konnte wir sehen, wie der 17jährige gerade aussah. Ältere Fotos werden ja mit dem Hinweis „Archivbild“ versehen, Journalistenehrensache, oder?

Diesmal wurden wir wohl verschaukelt. Nicht kahlgeschoren, wie auf allen scheinbar aktuellen Fotos, sondern mit vollem Haupthaar kehrte der Geknechtete in seine Heimat zurück. Die Bilder, die man noch kurz zuvor gezeigt hatte, waren allesamt uralt.

Tja, Fotos können lügen, oder Wahrheiten ans Licht bringen, die besser im Dunkeln geblieben wären. Eine ausländische EU-Abgeordnete der Linken hat die deutsche Vorzeigekommunistin Sahra Wagenknecht beim opulenten Hummer-Essen in Straßburg fotografiert. Erst fand Wagenknecht nichts dabei, tags darauf aber brachte sie sich unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in den Besitz der Kamera, und löschte die Bilder. Die Avantgarde des Proletariats hummeressend beim Edelfranzosen. Hätte bei manchem Hartzler auf Verständnislosigkeit treffen können.

Aber fördert so ein Bild nicht eine tiefe Wahrheit hervor? Wir wissen es, Wagenknecht weiß es auch: Sozialismus macht nur Spaß, wenn er von einem kapitalistischen System finanziert wird.


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