© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 06-08 vom 09. Februar 2008

Bulgarische Literatur im Fokus
Die 19. Autorenbegegnung im Gerhart-Hauptmann-Haus
von Dieter Göllner

Zum traditionellen Literaturforum Neues Europa hat die Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus – Deutsch-Osteuropäisches Forum gemeinsam mit anderen Düsseldorfer Kultur-Institutionen Autorinnen und Autoren aus dem jungen EU-Mitgliedsland Bulgarien eingeladen. Über Bücher, Vorträge, Lesungen und das Werkstattgespräch ist ein reger Dialog zwischen den bulgarischen Gästen, ihren deutschen Kollegen und dem literaturinteressierten Publikum entstanden.

Svetlan Stoev, Gesandter, Leiter der Bonner Außenstelle der Botschaft der Republik Bulgarien, nutzte die offizielle Eröffnungsveranstaltung, um Wissenswertes über das Land, die Kultur und die Bewohner zu vermitteln. Von Seiten der Landesregierung sprach die Bürgermeisterin der Landeshauptstadt Düsseldorf, Gudrun Hock. Der Historiker Alexander Litschev beleuchtete die deutsch-bulgarischen Beziehungen im 19. und 20. Jahrhundert unter Berücksichtigung der deutschen Volksgruppe in Bulgarien.

Das umfangreiche viertägige Programm enthielt neben den Autorenbegegnungen im Gerhart-Hauptmann-Haus auch Vorträge im Literaturbüro NRW sowie Lesungen im Heinrich-Heine-Institut.

Am Literaturforum beteiligten sich unter anderen die Lyrikerin, Journalistin und Regisseurin Mirela Ivanova, die in Bonn lebende und deutsch schreibende Erzählerin Rumjana Zacharieva und der Autor Vladimir Zarev sowie der Übersetzer Thomas Frahm, der Schriftsteller Jan Koneffke und der Autor Ralf Thenior.

Wie bei jeder Ausgabe, war auch diesmal das von Winfrid Halder, dem Direktor des Gastgeberhauses, und Michael Serrer vom Literaturbüro NRW moderierte Werkstattgespräch fester Bestandteil des Forums. Die Gäste nutzten die Gelegenheit, über den aktuellen Stand der Literatur sowie die Verlags-, Vertriebs- und Übersetzertätigkeit in Bulgarien zu informieren.

Der einzige in Deutschland besser bekannte bulgarische Autor dürfte wohl Vladimir Zarev sein, dessen Roman „Verfall“ kürzlich bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist. Der Schriftsteller vertrat den Standpunkt, daß es bei guter Literatur nicht ausreiche, ein Buch zu lesen, sondern man müsse es persönlich mit eigenen Gedanken zu Ende schreiben. Nur so könne sich ein Bewußtsein für das Gelesene entwickeln. „Doch leider ist heute der ‚globale’ Mensch weltweit eher der ‚leichte’ Mensch“, fügte Zarev etwas resigniert hinzu.

Helga Frese-Resch, die Lektorin für ausländische Literatur bei Kiepenheuer & Witsch, ist zuversichtlich, daß nach der Veröffentlichung des Romans von Vladimir Zarev auch weitere, gute bulgarische Autoren dem deutschen Leserpublikum nähergebracht werden könnten.

Dadurch, daß Thomas Frahm in Sofia und Duisburg lebt und arbeitet, kennt er den Literaturbetrieb in beiden Ländern und blickt optimistisch in die Zukunft: „Das Sprichwort ‚Totgesagte leben länger’ paßt sehr gut zur aktuellen Situation der bulgarischen Literatur.“

Mit der nunmehr 19. Autorenbegegnung in Düsseldorf leisteten Veranstalter und Beteiligte einen Beitrag zum gegenseitigen Kennenlernen der unter dem Dach Europas zusammenlebenden Menschen.

Foto: Büchertisch: Die Forumsteilnehmer brachten einige ihrer neuesten Publikationen zum Werkstattgespräch mit.


Artikel per E-Mail versenden
  Artikel ausdrucken Probeabo bestellen Registrieren