© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 07-08 vom 16. Februar 2008

Subventionierte Ladenhüter
von Harald Fourier

Es ist wieder Berlinale-Zeit. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ist in seinem Element, reitet von Party zu Party. Und auch die Bosse der großen Filmfirmen werden sich gegenseitig auf die Schultern klopfen. Dank der Großen Koalition im Bund haben sie Grund dazu genug.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) hat nämlich den Deutschen Filmförderfonds (DFFF) gegründet, der Kino-Produzenten seit 2007 Geld nach den Gesetzen des Wohlfahrtsstaates zuschießt: Wer hohe Kosten hat, bekommt viel dazu – ein neues deutsches Subventionswunder.

Mit 60 Millionen Euro wurden im ersten Jahr seines Bestehens 99 Filme gefördert. Alle weiteren deutschen Filmtöpfe machen übrigens – laut Berliner „Tagesspiegel“ –  weitere 230 Millionen Euro aus. Gerade haben Berlin und Brandenburg ihre Landesförderung um weitere drei Millionen erhöht. Schon jubelt Petra Müller, Geschäftsführerin des „Medienboards Berlin Brandenburg“, dies sei eine „kluge Investition für Wachstum und Arbeitsplätze.“

Wirklich? Leider nicht einmal auf dem Papier! Es ist wie so oft, wenn sich der Staat in kulturelle Angelegenheiten einmischt: Es geht gründlich in die Hose. So hat der DFFF nur die Taschen der deutschen Filmproduzenten voller gemacht, aber nicht die Kinosäle. Der wirtschaftliche Erfolg blieb aus, weil das Publikum mit den hochsubventionierten Produktionen nichts anfangen konnte.

Die Zahl der Kinobesucher sank 2007 sowieso schon um etwa zehn Prozent. Die deutschen Filme lockten aber ersten Schätzungen zufolge nur noch halb so viele Zuschauer in die Kinos wie im Vorjahr.

Woran könnte das wohl liegen? Tatsache ist, daß Filme nicht dadurch besser werden, daß die Produzenten mit unseren Steuergeldern gemästet werden. „Das Leben der anderen“ mit dem viel zu früh verstorbenen Ulrich Mühe in der Hauptrolle hat dies einmal mehr unter Beweis gestellt.

Der Film mußte mit einem Budget von weniger als zwei Millionen Euro hergestellt werden. So etwas nennen wir Billigproduktion. Die Schauspieler verzichteten auf ihre Gage oder einen Teil  davon. Sonst wäre der Streifen unbezahlbar geworden.

Erst später wurde der Wert dieses aufwühlenden Films über die schmerzhafte Wandlung eines Stasi-Offiziers vom Saulus zum Paulus erkannt – in Hollywood, also da, wo die beim Publikum erfolgreichen Filme zu Hause sind. Dort erhielt das Werk einen Oskar. In den USA alleine spielte „Das Leben der anderen“ dann elf Millionen Dollar an den Kinokassen ein!


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