© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 07-08 vom 16. Februar 2008

Tradition Expression

Gaben die ersten Ausstellungen impressionistischer Kunst gleichsam den Startschuß für den Aufbruch der Moderne in Deutschland, so war die Gründung der Künstlergruppe „Die Brücke“ im Jahr 1905 schließlich das Fanal: Der Impressionismus wurde nun immer deutlicher von einer neuen Kunstauffassung abgelöst, die nicht mehr nur eine sinnliche Schilderung der Welt zum Ziel hatte, sondern nunmehr eine Kommentierung, eine Ausdeutung des Sichtbaren beabsichtigte. Jene Kunst, die von der Verarbeitung des Eindrucks, der „Impression“ geprägt war, wurde nun abgelöst von einer Kunst, die alles künstlerische Tun damit rechtfertigte, daß sie in der Gestaltung ihrer teilweise sich von der Realität lösenden formalen Ausprägung auch „Unsichtbares“ ausdrücken wolle. Der Ausdruck, die „Expression“, stand nun im Vordergrund künstlerischen Schaffens.

Doch griffen diese Künstler sehr wohl auch auf die Tradition zurück, um sie mit neuem Leben zu erfüllen, aber auch, um den Betrachter mit einem altbekannten Bildaufbau und einer neuartigen Gestaltung zu konfrontieren. So ist das in der neuen Ausstellung der Berliner Galerie Barthelmess & Wischnewski gezeigte Meisterblatt von Käthe Kollwitz ohne die italienische Renaissance ebenso wenig vorstellbar wie Barlachs „Samariter“. Diese Kunst wollte nicht einschmeicheln und das formal Schöne überhöhen, sie wollte das den Dingen innewohnende Schöne und somit letztendlich die Wahrheit, so wie die Künstler sie sahen, zum Ausdruck bringen.        gbw

Die Ausstellung „Tradition – Expression“ in der Galerie Barthelmess & Wischnewski, Giesebrechtstraße 10, 10629 Berlin, ist montags bis freitags von 10 bis 13 Uhr und von 14.30 bis 18.30 Uhr, sonnabends von 11 bis 15 Uhr zu sehen, bis 5. April.


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