© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 07-08 vom 16. Februar 2008

Kant wird es nicht freuen
Italienisches Autoren-Paar entdeckt Königsberg als Krimi-Kulisse

Nun ist ein Kriminalroman eines in Umbrien ansäßigen Autoren-Paares, der lange unter den Top Ten der italienischen Bestsellerliste war, auch in deutscher Sprache erschienen. „Königsberger Dämonen“ lautet der deutsche Titel. Das Titelbild zeigt Ansichten der ostpreußischen Hauptstadt. Ein Roman, der in Königsberg spielt, einer Stadt, die immer wenigen Deutschen ein Begriff ist, geschrieben aus der Feder zweier Italiener? Ein wenig unangenehm, daß erst zwei im Ausland Ansäßige kommen müssen, um die Pregelmetropole zum Schauplatz eines publikumswirksamen Kriminalromans zu machen. Daß das Ergebnis allerdings nicht unbedingt jedem Deutschen schmecken wird, liegt wohl daran, daß für das Ehepaar Michael und Daniela de Gregorio der Schauplatz und die agierenden Personen zwar interessant, aber eben nicht heilig sind.

Ihr Interesse an den Lehren Immanuel Kants hat sie auf die Idee gebracht, seine Heimatstadt im Roman wiederzubeleben. Da ist es nur schlüssig, daß der große Philosoph selber eine maßgebliche Rolle in ihrem Krimi spielt. Hauptfigur ist allerdings Hanno Stiffeniis, der 1804 nahe Königsberg als Prokurator in der Provinz tätig ist. Völlig unerwartet wird der unbedeutende Beamte scheinbar vom Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. höchstpersönlich in die ostpreußische Hauptstadt gerufen, um einem Serienmörder das Handwerk zu legen. Schnell ist Hanno überzeugt, daß es sich um eine Tat von Anhängern Napoleons handelt, die Unruhe in der Stadt schaffen wollen, damit sie leichter in die Hände des Franzosen fällt. Dann allerdings erscheint Immanuel Kant auf dem Plan und Hanno Stiffeniis, der den alten Herren schon von einer früheren Begegnung her kennt, wird mit der „Kritik an der kriminellen Vernunft“ vertraut gemacht.

Und so führt der Philosoph den Prokurator an Themen wie Autopsie, Beweisaufnahme, Tatortuntersuchung und ähnliches heran. Widerwillig öffnet sich Hanno den neuen Ermittlungsmethoden und entdeckt dabei Furchtbares. Furchtbar vor allem für Anhänger Kants! Trotzdem liest sich der atmosphärisch dichte, historisch zugegeben nicht immer fundierte Kriminalroman über weite Teile spannend. Der kalte ostpreußische Winter, die zugigen Mauern des Schlosses, die angstvollen Blicke der Bewohner, die durch die engen Gassen der Stadt huschen und hoffen, daß der Mörder, der seine Opfer mit einer „Teufelskralle“ vermeintlich ohne Spuren tötet, bald gefunden wird; diese Mixtur fesselt unweigerlich.

Zwar setzt der Kriminalroman Königsberg kein eindeutig positives Denkmal, auch erscheint Kant zum Schluß in einem obskuren Licht, trotzdem übt „Königsberger Dämonen“ eine absonderliche Anziehungskraft auf den Leser aus.           R. Bellano

Michael Gregorio: „Königsberger Dämonen“, Piper, München 2007, broschiert, 442 Seiten, 14 Euro


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