© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-08 vom 29. März 2008

Ost-Deutsch (59):
Meister
von Wolf Oschlies

Bei jedem Schlag tritt er einen Schritt zurück, macht dann einen Sprung vorwärts und schlägt mit solcher Wucht zu, daß Blut spritzt und eine tiefe Wunde bleibt“, so beschrieb vor 300 Jahren der Engländer John Perry die russische Bestrafung oder Folter mit der Knute. Der Exekutor war der an Sandsäcken oder Baumstämmen trainierte „knutmejster“. Den kennen Russen längst nicht mehr, wohl aber den sprachlich verwandten „mejster sporta“ (Meister des Sports), den „grosmejster“ im Schach und andere „mejstery“.

Sie alle stammen vom althochdeutschen „meistar“ ab, der seinerseits eine Übernahme des lateinischen „magister“ war. Und nahezu alle Slawen haben ihn von uns entliehen, bis zu den Lausitzer Sorben, von denen mancher „elektromister“ ist. Bei Polen erscheint er sogar in zwei Aussprachen, einmal als Handwerker („majster budowy“ – Baumeister), dann als Sportstar („mistrz swiata“ – Weltmeister). Bei den benachbarten Slowaken ist der „majster“ der Chef vom Bau oder ein überragender Fachmann, zum Beispiel „Napoleon ako majster taktiky a stratégie“ (Napoleon als Meister in Taktik und Strategie). Bei den Tschechen findet sich der „mistr“ vor allem im Sport, wo  die „Champions League“ ungerührt als „Liga mistru“ (Liga der Meister) durchgezogen wird. Gar nicht zu reden von sportlicher „mistrovstvi“ (Meisterschaft).  

Bei Südslawen wird der „majstor“ gerufen, wenn an Haus, Auto, Boot, Computer etwas zu reparieren ist, der geschickte Könner also. Daneben gibt es den „majstor stila“ (Meister des Stils), „stari majstori“ (alte Meister in der Bedeutung von alte Gemälde), den „velemajstor“ (Großmeister) im Schach. Grundsätzlich gilt, was Serben sagen: „Majstor svog zanata svaka cast“ (Dem Meister seines Fachs alle Ehre), denn „covek je segrt a bol je njegov majstor“ (Der Mensch ist ein Lehrling, der Schmerz ist sein Meister).

Meisterliches Können wird von Bosniern „majstorluk“ genannt, was unübersetzbar, aber allgemein verständlich ist. Leichter ist es, wenn Polen loben: „Obudowa firmy to czysty majstersztyk“ (Der Aufbau der Firma ist ein echtes Meisterstück). Ähnlich bei Tschechen: „Priznejme aspon jeden majstrstyk“ (Erkennen wir wenigstens ein Meisterstück an). Klar doch: Was klappt, ist gemeistert worden.


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