© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-08 vom 29. März 2008

Wenn Hunde Beuys fressen
Das Freiburger Museum für Neue Kunst zeigt Gebrauchsgegenstände mit berühmten Namen
von Silke Osman

Hell und frisch leuchten die Farben, so wie man es bei diesem Maler gewöhnt ist. Locker bewegt der Pinselstrich. Oskar Kokoschka hat mit seinem Bild von Freiburg, das 1964 entstand, einmal mehr seine Einfühlungsgabe, seine Sensibilität gezeigt, wenn es um die Darstellung von Stadtlandschaften geht. Zu bewundern ist das Porträt der Stadt im Breisgau – natürlich – in einem Museum dieser Stadt, genauer gesagt im Museum für Neue Kunst, direkt in der romantischen Altstadt gelegen. Eine stattliche Reihe bedeutender moderner und zeitgenössischer Künstler ist mit ihren Werken in diesem 1985 eröffneten Haus vertreten. Vom Expressionismus am Anfang des Jahrhunderts über die Neue Sachlichkeit der 1920er Jahre, die abstrakte Malerei der 1950er bis hin zu aktuellen Strömungen präsentiert das Museum einen Überblick über die Kunst der vergangenen 100 Jahre. Bemüht, ein unverwechselbares Profil zu entwickeln, hat man den Schwerpunkt auf die Malerei der südwestdeutschen Moderne und Gegenwart gelegt. Namen wie Otto Dix, Will Baumeister, August Macke, Emil Schumacher oder Karl Hofer zeugen von der Qualität der Sammlung. „Doch was ist das?“ wird der Besucher erstaunt fragen, den es in diesen Tagen in das Museum für Neue Kunst verschlagen hat. Da steht neben einem Gemälde von Karl Hofer ein Glas Nescafé gleichen Namens. Sollte man es dort einfach vergessen haben, als man die Ausstellung neu ordnete? Weit gefehlt. In den Räumen mit Werken aus der beachtlichen Sammlung wird mit diesen „Hinguckern“ dezent auf eine Sonderausstellung verwiesen, die sowohl schmunzeln als auch staunen läßt.

Unter dem Titel „ArtBrands“ werden Produkte mit Künstlernamen ausgestellt, die der Freiburger Künstler und Kunsthistoriker Michael Klant seit Jahren auf Reisen und zuhause sucht und sammelt. Die rund 70 Objekte, die in der Ausstellung gezeigt werden, reichen von kleinen Büroartikeln bis zu großen Maschinen und berücksichtigen die ganze Kunstgeschichte. Sie stammen von Herstellern mit zufälliger Namensgleichheit oder sind, wie Raffaello-Konfekt, aus Verkaufsgründen mit klangvollen Namen versehen worden.

Das wohl kleinste Exponat ist eine Injektions-Ampulle mit Vitamin B von der Firma Lichtenstein. Auf einem kleinen Schild wird der Besucher informiert, daß es einen Pop-Art-Künstler namens Roy Lichtenstein (1923–1997) gab. Überhaupt haben sich die Ausstellungsmacher mit Akribie daran gemacht, die einzelnen Namen der Künstler sowie ihr Werk kurz zu erläutern, so daß man einen Spaziergang durch die neuere Kunstgeschichte unternehmen kann. Das größte Objekt mag der Winterdienst-streuer mit dem Namen Rauch sein. Mit seinem knalligem Orange spingt er einem geradezu ins Auge. Bei Rauch notiert der Kunstbeflissene nun einmal den Namen Christian Daniel Rauch, den berühmten Bildhauer des 18. / 19. Jahrhunderts, oder aber Neo Rauch, den 1960 geborenen Vertreter der Neuen Leipziger Schule. Bei Bernini, Canaletto, Caravaggio, Donatello, Grotto, Michelangelo und Tintoretto fallen einem die schönsten Gemälde ein, doch hier sind es nur phantasievolle Namen für Steuergeräte, die in der Physiotherapie gebraucht werden. Banal hingegen das Waschmittel mit dem Namen Dr. Beckmann oder der Kaffee von Darboven wie auch das Essiggemüse   von Kauffmann. Wer dabei an Max Beckmann, Hanne Darboven oder Angelika Kaufmann denkt, ist schon auf der richtigen Fährte.

Das Parfüm Miro und van Goghs Aquarellfarben wie auch die Glasobjekte von Leonardo lassen da schon eher künstlerisch beschwingte Laune aufkommen. Spaghetti von Mueller und gar Hundefutter von Beuys allerdings sind dann doch gewöhnungsbedürftig. Kein Wunder, daß der Titel „Art Brands – Wenn Hunde Beuys fressen“ schon so manchem ein Schmunzeln abgerungen hat. Der „Hingucker“ schlechthin in dieser Ausstellung sind jedoch zwei fahrbare Untersätze: ein Motorrad aus dem Jahr 1936 mit dem Namen Monet (Goyon) und ein blitzblanker roter Motorroller von 1960 mit dem Namen Manet.

„So unterschiedlich in ihrer ästhetischen Erscheinungsform und ihrem Gebrauchswert die Exponate auch sind, eines haben sie doch alle gemeinsam: Sie sind verführerische Lotsen und hintersinnige Fallensteller in einem Vorstellungsreich zwischen Werbung, Wahrnehmung, Kunst und Kommerz“, so die Freiburger Austellungsmacher. Eines aber ist sicher: Diese Ausstellung besitzt ein ganz eigenes Flair. Die Phantasie wird angeregt, und man bekommt Lust, sich an der Suche nach neuen Funden zu beteiligen.

Die Ausstellung „ArtBrands – Wenn Hunde Beuys fressen“ im Museum für Neue Kunst, Marienstraße 10 a, 79098 Freiburg (Breisgau), ist dienstags bis sonntags von 10 bis 27 Uhr geöffnet, Eintritt 5 / 3 Euro, bis 4. Mai.

Foto: Produkte mit berühmten Namen: Ob Goya die Würstchen aus Florida geschmeckt haben würden und Manet einen in der CSSR gebauten Motorroller zu seinem nächsten Motiv gebracht hätte, bleibt dahingestellt.


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