© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-08 vom 29. März 2008

Träume von einer guten Zukunft

Ist mein Freund jetzt ein Mädchen?“ Die Stimme der kleinen Becky wurde ganz hell. Sie hatte die Überschrift in einer großen deutschen Tageszeitung entdeckt und war völlig verwirrt. Dort war zu lesen: „Jungen träumen vom Auto, Mädchen von der Bank“. Da ihr Freund Andy mit seinen knapp zehn Jahren schon jetzt weiß, daß er einmal ein großer Banker werden würde, um mit dem Geld der anderen Leute zu „spielen“, war Beckys Frage so abwegig nicht. Doch konnte sie nach einer kurzen Erklärung schnell beruhigt werden.

Hinter dem Artikel stand allerdings ein ernster Hintergrund, denn so abgehoben, wie die Medien mit ihren Castingshows für Superstars und Super-Models es uns weismachen wollen, sind die Kinder und Jugendlichen von heute denn doch nicht. Sie haben handfeste Vorstellungen davon, wie sie später einmal ihren Lebensunterhalt verdienen wollen.

Eine Befragung der Zeitschrift „Eltern Familiy“ unter Kindern und Jugendlichen zwischen neun und 19 Jahren brachte es zutage: Die „Glitzerwelt des Showbizz“ ist weniger gefragt. Die Heranwachsenden von heute sehen die Welt realistischer als man dachte. Auf die Frage, was sie später gern einmal werden wollten, antworteten 9,7 Prozent der Jungen Kfz-Mechaniker, während 9,4 Prozent der Mädchen Kauffrau oder Bankkauffrau werden wollten (deshalb auch Beckys Entsetzensschrei).

Es geht solide weiter: 7,8 Prozent der Jungen streben eine Ausbildung im handwerklichen Bereich an, Mädchen sehen sich eher als Tierärztin (7,1 Prozent) oder Lehrerin (5,4 Prozent). 6,6 Prozent der Jungen möchten Polizist werden und für die Sicherheit sorgen. Den Traum vom großen Erfolg und der glanzvollen Karriere aber haben sie nicht ganz begraben, denn immerhin sehen 6,3 Prozent der befragten Jungen sich am liebsten als Fußballprofi. Mädchen hingegen haben eher eine soziale Ader, denn 5,3 Prozent wollen Krankenpflegerin werden. 6,1 Prozent der Jungen sehen ihre Zukunft als Ingenieur, während 4,1 Prozent der Mädchen sich der Schönheit zuwenden wollen und den Beruf der Friseurin anstreben. Gar nicht beliebt sind Berufe wie Apotheker, Landwirt oder Politiker, falls letzteres überhaupt als Beruf zu werten ist. Bleibt jetzt nur noch die Hoffnung auf eine geeignete Lehrstelle ...       SiS


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