© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 14-08 vom 05. April 2008

Die Schreckensherrschaft
Falsche Aufregung um kritisches Video über Islamisten-Terror
von Klaus D. Voss

Es ist eines der ganz großen Mißverständnisse – „Fitna“, der Videofilm des niederländischen Einzelkämpfers Geert Wilders, führt nicht die islamische Welt vor. Er führt uns vor.

Die beispiellosen Angstreaktionen schon Wochen vor der Veröffentlichung im Internet beschworen, was alles passieren könne, wenn dieses Video gezeigt wird. Das Wort „islamkritisch“ reicht schon, um uns die Grenzen unserer Handlungsfreiheit aufzuzeigen; die Grenzen unserer Freiheit, bei Karikaturen, Büchern oder Opern-Aufführungen.

Nur wollen es viele nicht wahrhaben, wie weit die Furcht vor den islamistischen Terroristen in unseren Alltag hineinwirkt. Nicht nur Flugreisen beginnen und enden in den Hochsicherheitszonen der Flughäfen. Auch Großveranstaltungen, und sei es ein Fußballturnier, müssen gegen allgegenwärtige Anschlagsgefahr abgeschottet werden – so gut es eben geht. Die ganze Nation müßte sich eigentlich belagert fühlen vom internationalen Terrorismus.

Terrorismus ist Schreckensherrschaft, und Druck von außen macht ängstlich, führt zu einem angepaßten Verhalten. Da geht schon das Gefühl verloren, was Meinungsfreiheit wert ist: Auch ein schlecht verfaßter Beitrag, zur Not auch mit völlig konträren Ansichten, muß veröffentlicht werden können. Das ist die Grundtugend in jeder demokratischen Gesellschaft.

Wer das bestreitet, dazu Kritik am islamistischen Terrorismus so umdeutet, daß der ganze Islam verunglimpft werde, macht sich zum Opfer der eigenen Propaganda. Auf der anderen Seite: Den Islam-Gemeinden in Europa fällt die Aufgabe zu, die Grenzen zwischen den radikalen und verträglichen Gruppen eindeutig zu ziehen – damit wäre Sicherheit zu schaffen. Doch diese Mitwirkung unterbleibt. Das Bundeskriminalamt überwacht allein in Deutschland rund 200 mögliche Islam-Terroristen.

Beim Videofilm „Fitna“ von Geert Wilders geht es um Szenen, die man kennt: Der Anschlag auf das World-Trade-Center am 11. September, die verzweifelten letzten Bitten der Eingeschlossenen am Telefon.

Es gibt auch die ganz grausamen Szenen, die man weiß Gott kennen muß, zumindest, wenn man sich intensiver mit islamistischem Terrorismus beschäftigt: Terroristen trennen einer Geisel den Kopf ab, zeigen das ausströmende Blut und den zuckenden Körper. Oder sie enthaupten eine Frau; unklar bleibt, was ihr vorgeworfen wurde.

Dokumente dieser Art gibt es leider in großer Zahl. Islamisten stellen diese Bilder ins Internet, um sich mit diesen Taten zu brüsten und andere Glaubensbrüder anzustacheln. Und dazu gibt es immer Zitate aus dem Koran, mit denen die Terroristen ihre Taten rechtfertigen. Auch das zeigt das „Fitna“-Video.

In seiner Machart bleibt das zusammengeschustert wirkende 15-Minuten-Video weit hinter jeder zeitgemäßen Anforderung an Informationsqualität zurück, taugt kaum zur demagogischen Verführung.

Auch in einem anderen Punkt ist der Wilders-Beitrag eher harmlos: Wer sich einmal mit Beiträgen im arabischen Fernsehen, auch im Kinderprogramm, der Sender al-Manar, al-Aksa TV oder Iqra beschäftigt hat, weiß, wie dort professionell Haß gegen die christliche Welt gepredigt wird, nämlich „Christen muß man töten“ – davon ist „Fitna“ weit entfernt.

Der niederländische Ministerpräsident Jan Peter Balkenende hätte eigentlich vor seinen Landsmann und Parlaments-Abgeordneten Geert Wilders treten müssen, auch wenn ihm und manchem anderen dessen politische Richtung nicht paßt. Aber Balkenende distanzierte sich schon, bevor er das Video gesehen haben konnte.


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