© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 23-08 vom 07. Juni 2008

»Gefährlichster Mann Europas«, laut Goebbels
Die Befreiung Mussolinis machte den vor 100 Jahren geborenen Waffen-SS-Offizier Otto Skorzeny berühmt
von Hans Lody

Wie alle Leute aus dem Geheimdienst- und Kommandomillieu umgibt Otto Skorzeny bis heute ein Hauch von Geheimnis. Hätten die Achsenmächte den Krieg gewonnen, wäre es gut möglich, daß seine „Gedanken und Erinnerungen“ verfilmt worden wären, analog zum „Vater“ von James Bond, dem britischen Geheimdienstmann Ian Fleming, zu dem übrigens manche Parallele in der Biographien existiert.

Im Jahre 1932 trat Skorzeny der NSDAP und der SA bei. Aus der Masse heraus trat er erstmalig beim sogenannten Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich. Am 12. März 1938 schützte er den österreichischen Bundespräsidenten Wilhelm Miklas bei Ausschreitungen vor einem gewalttätigen SA-Trupp. Die Luftwaffe wollte ihn nicht aufnehmen, weil er in ihren Augen schon zu alt war, aber die Waffen-SS nahm ihn auf. Verschiedene Krankheiten brachten es mit sich, daß er meist in der Heimat Verwendung fand.

Anfang 1943 wurde er beauftragt, im Rahmen der SS eine Kommandoeinheit aufzubauen – ähnlich der Division „Brandenburg“ der Wehrmacht. Skorzeny studierte sehr gründlich die britischen Methoden und machte sie sich zum Vorbild.

Ende 1943 erfolgte Adolf Hitlers Befehl, den nach dessen Sturz von Landsleuten festgesetzten Benito Mussolini zu befreien. General Kurt Student beauftragte den Kommandeur des Fallschirmjäger-Lehr-Bataillons Major Harald Mors mit der Durchführung. Skorzeny beteiligte sich mit einem kleinen SS-Trupp an dieser Unternehmen „Eiche“ genannten Operation, hatte aber an dem Erfolg nur geringen Anteil. Dennoch stellte ihn die Propaganda anschließend als den Befreier Mussolinis heraus. Joseph Goebbels sprach sogar vom „Gefährlichsten Mann Europas“. Skorzeny wurde befördert und mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet.

Seine nächste Aktion, die Operation „Rösselsprung“, die versuchte Festsetzung des jugoslawischen Partisanenführers Josip Broz Tito am 25. Mai 1944, war insoweit ein Fehlschlag, als das eigentliche Ziel verfehlt wurde, denn Tito gelang die Flucht. Die blutigen Kämpfe um Titos Hauptquartier, die das SS-Kommando 213 Tote und 881 Verwundete kostete, zerschlugen aber für lange Zeit die Infrastruktur der Partisanenarmee.

Am 20. Juli 1944 befand Skorzeny sich zufällig in Berlin und half Major Otto Ernst Remer bei der Niederschlagung des Putschversuches.

Im Oktober 1944 schickte ihn Hitler in das verbündete Ungarn, wo der Reichsverweser Admiral Miklós Horthy den „Ausstieg“ seines Landes aus dem Krieg plante. SS-General Erich von dem Bach-Zelewski wollte den ungarischen Regierungsbezirk mit Artillerie zusammenschießen lassen, Skorzeny realisierte eine andere Lösung. Mit der Entführung von Horthys Sohn machte er diesen gefügig. Er dankte ab und begab sich in deutsche Gefangenschaft. Die Zerstörung Budapests blieb dann bei Kriegs­ende der Roten Armee vorbehalten.

Im Rahmen der Ardennenoffensive stellte Skorzeny die Panzerbrigade 150 auf. Von ihr waren 2000 englisch sprechende Freiwillige in US-amerikanischen Uniformen unterwegs, um hinter den feindlichen Linien Verwirrung zu stiften. Zwar war der Erfolg dieser eilig vorbereiteten Aktion durchwachsen, aber der große Respekt der US-Amerikaner vor Skorzeny rührt möglicherweise aus dieser Zeit.

Ein von ihm und Hannah Reitsch vorbereitetes Selbstmordkommando ähnlich den japanischen Kamikazefliegern gelangte nicht zur Ausführung, weil Hitler dagegen war. Skorzeny befehligte gegen Kriegsende eine Einheit, die einen Oderbrückenkopf gegen die Rote Armee verteidigte. Beim Zusammenbruch versuchte er ver­geb­lich, der Gefangennahme durch die US-Amerikaner zu entgehen. Von diesen wurde er zweimal wegen angeblicher Kriegsverbrechen vor Gericht gestellt, wurde aber freigesprochen. Die Sieger hielten ihn dennoch weiter in Haft. Dem US-amerikanische Gefäng­nis­chef erschien dies ungerecht und so „verschwand“ Skorzeny eines Tages einfach. Später nahm er Wohnsitz in Spanien und war als Geschäftsmann sehr erfolgreich.

Heute verübelt man ihm, daß er früheren Kameraden und anderen SS-Größen zur Flucht verholfen haben soll. Auch unterhielt er in Spanien freundschaftliche Beziehungen zum belgischen SS-Offizier Leon Degrell, dem gleichfalls Kriegsverbrechen im eigentlichen Sinne nicht nachgewiesen werden konnten. Auf Veranlassung der US-Sieger soll er dann am Aufbau ägyptischer Dienste mitgewirkt haben. 1953 wurde er Berater des argentinischen Präsidenten Peron. Später, so wird berichtet, habe er dann – sicherlich nicht im Sinne der US-Amerikaner – der PLO geholfen und Freundschaft mit dem Großmufti von Jerusalem geschlossen.

Otto Skorzeny starb am 6. Juli 1975 in Madrid und wurde später in Wien beigesetzt. Dort wird seine Grabstelle immer wieder geschändet.

Foto: Otto Skorzeny: Mit dem Ritterkreuz, das er nach dem Unternehmen „Eiche“ erhielt.


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