© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 25-08 vom 21. Juni 2008

Er schuf Königsbergs Puttenbrunnen
Von dem vor 65 Jahren verstorbenen preußischen Künstler Stanislaus Cauer finden sich auch heute noch Spuren in der Pregelmetropole
von Jurij Tschernyschew

Dieser Tage erinnert sich die Königsberger Intelligenz an den berühmten Bildhauer Stanislaus Cauer, der vor 65 Jahren verstarb. Stanislaus Cauer kam 1867 in Bad Kreuznach zur Welt. Cauer reiste sehr viel und lebte lange Zeit in Königsberg. 1907 wurde dem Bildhauer von Ludwig Dettmann, dem Direktor der Königsberger Akademie, eine Stelle als Professor und Leiter der Skulpturenklasse angeboten. So blieb Cauer bis zum Ende seines Lebens in Königsberg.

Cauer wurde zu einer Institution im künstlerischen Leben Königsbergs. 1934 wurde er für seine Verdienste mit der Goldenen Medaille der Stadt Königsberg ausgezeichnet. Die zweite Medaille erhielt er acht Jahre später. Dank seiner Schaffensfreude schmücken Königsberg viele seine Kunstwerke. Einige davon existieren noch immer, obwohl sich nur das Schiller-Denkmal, das in der Innenstadt neben dem Schauspielhaus steht, in einem guten Zustand befindet.

Die älteren Bewohner der Stadt erinnern sich an eine Geschichte über das Denkmal. Man weiß nicht, ob sie stimmt oder nicht, aber folgendes erzählt man sich: Damit das Schillerdenkmal im April 1945 nicht zerstört wurde, hat man Schiller ein Schild um den Hals gehängt, auf dem stand: „Bitte nicht schießen, ich bin einer von euch.“ Man sagt, daß das Denkmal nur deswegen noch steht.

Andere Werke Cauers hatten weniger Glück. Viele seiner Flachreliefs und Skulpturen wurden nach dem Krieg als feindliche Kunstwerke vernichtet, wie auch ein Flachrelief des Künstlers Corinth. Ein anderes Kunstwerk, die Marmorstatue „Nach dem Bade“, stand lange Zeit im Park neben dem Malerhaus, in der Nähe der Königin-Luisen-Kirche, in der sich jetzt ein Puppentheater befindet. Seit kurzem steht die Skulptur in der Kunstgalerie, damit sie erhalten bleibt. Dort befindet sich auch ein Hochrelief mit der Bezeichnung „Genius“. Ein weiteres Flachrelief „Eine Nymphe mit Kranz und Füllhorn“ schmückt den Giebel der ehemaligen Königsberger Kunstakademie, wo sich jetzt eine Schule befindet. In diesem Gebäude hat Stanislaus Cauer gelehrt.

Es ist noch ein Werk Cauers, vielleicht sein berühmtestes, erhalten geblieben, der Puttenbrunnen. Auf der Brunnenausstellung in Posen im Jahre 1912 gewann dieser Puttenbrunnen den ersten Platz. Die Bewohner der Stadt Posen wollten diesen Brunnen kaufen, aber der Künstler schenkte ihn der Stadt Königsberg. Der Name „Putte“ kommt aus dem Italienischen und bedeutet „Säuglinge“. In diesem Jahr wird der Brunnen übrigens 100 Jahre alt.

Es ist bekannt, daß Cauer 1908 den Brunnen fertiggestellt hat, und bald fand er seinen Platz unweit des Königsschlosses. Später entschied die Stadtregierung jedoch, den Brunnen im Hof der medizinischen Fakultät der „Albertina“ aufzustellen, wo sich jetzt das Hafenkrankenhaus befindet. Nach 1945 hat sich keiner mehr für den Brunnen interessiert und er begann langsam zu zerbröckeln. Im Moment befindet sich der Brunnen in einem sehr traurigem Zustand. Der Brunnen hat durch die Zerstörungswut Trunksüchtiger, die sich am Brunnen zu ihren Trinkgelagen treffen, einige Teile verloren. Unzählige leere Flaschen, die die Straßenfeger jeden Morgen einsammeln müssen, zeugen davon.

Der Puttenbrunnen ist eine Skulptur, die für Königsberg Bedeutung hat. Die Administration der Stadt kann sich jedoch nicht um den Brunnen kümmern, weil er nicht auf städtischem Territorium steht, sondern auf dem des Hafenkrankenhauses. Deswegen müßte das Hafenkrankenhaus den Brunnen entweder mit dem Grundstück an die Stadt übergeben oder mit der Stadt einen Nutzungsvertrag abschließen. Die Krankenhausverwaltung hatte ihrerseits geplant, den Brunnen am Haupteingang des Krankenhauses aufzustellen, kam jedoch schnell wieder davon ab, weil der Brunnen aus Sandstein gefertigt ist und leicht zerbröckeln könnte.

Cauer starb im Jahre 1943 und fand seine letzte Ruhestätte bei der Juditter Kirche. Sein Grab ist bedauerlicherweise nicht erhalten, aber die Bewohner der Stadt werden sich immer an diesen Bildhauer erinnern.


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