© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 36-08 vom 06. September 2008

Konrad Badenheuer:
In Afghanistan

In immer kürzeren Abständen werden deutsche Soldaten in Afghanistan attackiert. Als am Montag ein 29jähriger Hauptfeldwebel zu Grabe getragen wurde, der bei Kundus in eine Sprengfalle geraten war, liefen bereits die Meldungen über die nächste Attacke über die Ticker. Diesmal war bei einer Bombenexplosion nur Sachschaden entstanden, doch 28 Tote hat die Bundeswehr in Afghanistan bereits zu beklagen. Und vor der Bundestagsentscheidung über die Verlängerung des Mandats im Herbst sind weitere Anschläge absehbar.

Die Stellungnahmen der Militärs in Kabul klingen mehr als gedämpft. Der Chef des Stabes der Isaf, General Domröse, erklärte jetzt knapp: „Die Aufständischen sind noch nicht geschlagen.“ Noch nicht? Wann soll ein solcher Konflikt überhaupt entschieden werden, wenn bald sieben Jahre dafür nicht ausreichen?

Der Bürger fragt sich, ob überhaupt eine langfristige Planung für die Zukunft dieses Mandats existiert, und ob irgend ein Datum benannt werden kann, bis zu dem deutsche Soldaten diese Wetterecke der Weltpolitik spätestens wieder verlassen haben werden. Die Bundesregierung weckt hier auf ihrer Internetseite keine Illusionen: „Wir werden bleiben, bis sichergestellt ist, daß Afghanistan aus eigener Kraft für Frieden und Sicherheit seiner Bevölkerung sorgen kann und nicht wieder zu einem Land wird, aus dem uns Gefahr droht.“ Man muß kein grundsätzlicher Gegner dieses Einsatzes sein, um sagen zu können: Wenn es danach ginge, könnte sich die Bundeswehr in vielen Ländern der Welt engagieren – und noch sehr lange in Afghanistan bleiben.


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