© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 36-08 vom 06. September 2008

Ost-Deutsch (82):
Freier
von Wolf Oschlies

Kakav gol je frajer zabio“, seufzte Kroatiens Nationaltrainer Slaven Bilic: Was für ein Tor uns dieser Freier reingehauen hat. Er meinte den türkischen Spieler Semih Sentürk, der im Viertelfinale der EM in der 119. Minute gegen die Kroaten ausglich. Durch die anschließende Niederlage im Elfmeterschießen wurde dieser 20. Juni zum schwärzesten Tag der kroatischen Fußballgeschichte.

Ich habe mir diesen Fußball-Krimi angeschaut, obwohl mich eigentlich nur Bilics „frajer“ interessierte. Meine rheinischen Nachbarn kennen noch das mittelhochdeutsche „vrien“ (freien) in der Bedeutung von „um eine Frau werben“. Den „Freier“ meiden sie jedoch, denn dieses seit dem 13. Jahrhundert nachgewiesene Wort bezeichnet inzwischen Kunden von Prostituierten, ist also im Deutschen in die Schmuddelecke geraten. Ganz anders ist das bei den Slawen, wo es den „freier“ in vielen Bedeutungen gibt. Bei Kroaten ist er meist positiv: „Cool mi je frajer koji je samosvestan i siguran“ (Cool ist mir ein Freier, der selbstbewußt und sicher ist). Oder jemand, den man nicht ernst nehmen kann: „Frajer malo slici na Rockstar, ali to mu nije puno pomagalo“ (Der Freier ähnelt einem Rockstar, aber das half ihm nicht viel). Ähnlich schillernd halten es Serben, etwa negativ: „Samo frajeri idu u zatvor“ (Nur Freier gehen ins Gefängnis). Dann wieder halbwegs positiv: „Najbolji frajeri su u DOS-u“ (Die besten Freier gibt es in der Demokratischen Opposition Serbiens).

Bei Russen ist der Freier ein Dummkopf: „Borja, ne budj fraerom, ne woswraschtschajsja“, rieten Moskauer Blätter dem Milliardär Boris Beresowski: Boris, sei kein Freier, komm nicht zurück. Tschechen nutzen das Wort in vielen Bedeutungen, beginnend mit dem Schimpfwort: „Co cumis, frajere?“ – Was glotzt du, Freier? Dann im Sinne von Hasenfuß: „Nechceme byt jen frajer a naivka“ – Wir wollen doch nicht nur Freier und Naive sein. Schließlich in der negativen Umschreibung für alles, was man als Tscheche vermeiden sollte. Beispielsweise sich als Mopedfahrer an Verkehrsregeln zu halten, „uz to stacilo k tomu, aby s vas byl velkej fraje“ – das würde genügen, damit aus dir ein großer Freier wird. Hier wie anderswo: Freier Gebrauch von „Freier“. 


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