© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 36-08 vom 06. September 2008

Klimaschutz mit Spaßfaktor
Wie man in der Diskothek mit Gehopse und Getrampel Strom erzeugen kann

Die Diskothek heißt „Club4Climate“ (Club für Klima), und das ist mehr als eine Metapher. Die kürzlich in London eröffnete Öko-Disco versorgt sich nämlich selbst mit Strom, und zwar durch das Gehopse und Getrampel der Tanzenden. Im Boden stecken sogenannte Piezokristalle, die Spannung erzeugen, wenn man sie zusammendrückt. Die Spannung treibt Batterien an, die Strom für Licht und Musik liefern. Die Tanzfläche fungiert quasi als Kleinkraftwerk. Der„Club4Climate“ will so auf den stetig steigenden Energieverbrauch und die ihm unterstellten Folgen – den weltweiten Temperaturanstieg – aufmerksam machen und die Besucher für den „Klimaschutz“ gewinnen. „Bewußtes Feiern“ bildet das Gesamtkonzept der Öko-Disco. Gäste, die zu Fuß, mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln gekommen sind, dürfen kostenlos rein; alle anderen dagegen müssen zehn Pfund Eintritt zahlen. Die biologisch hergestellten Getränke werden in recycelbaren Bechern ausgeschenkt, und die Toiletten werden mit Brauch-Wasser gespült. Bevor die Gäste den Club betreten dürfen, müssen sie schriftlich versprechen, daß sie sich in Zukunft bemühen werden, dem Klimawandel entgegenzuwirken.

Auch in Rotterdam ist eine Öko-Disco im Werden, der „Watt-Club“. In wenigen Wochen gilt hier ebenfalls das Motto: Spaß haben und dabei das Klima schützen. Rund 2000 Gäste müssen den Boden in Bewegung bringen, um Tanzfläche und DJ-Pult mit Strom zu versorgen. Wie gut ihr „Auftritt“ ist, können die Tanzenden an den kleinen Lämpchen in der Tanzfläche erkennen: die strahlen nämlich um so heller, je schneller man ist. „Die Leute sollen ein Bewußtsein für den Strom bekommen“, erklärt Döll, „denn den meisten jungen Leuten ist gar nicht klar, daß gerade bei Partys der Energieverbrauch besonders groß ist.“ Eine mittelgroße Disco, die jede Woche an drei Abenden geöffnet hat, verbraucht 150mal so viel Strom wie eine sechsköpfige Familie.          C. Weinert


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