© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 36-08 vom 06. September 2008

Zwischen Ost und West
Spekulationen über Europas Zukunft: Nein zum Nationalismus, Ja zur Nation

Die Entwicklung des Individuums und seine Emanzipation aus dem Kollektiv stellen die Hauptherausforderung der modernen Zeit dar. Wie kann ein staatlich-nationales Gebilde dieser Entwicklung gerecht werden? Wie können die Nationen den Nationalismus überwinden, ohne ihre Identität zu verlieren, und sich dennoch in ein supranationales Gebilde einfügen? Das sind die künftigen Herausforderungen, denen Europa gegenübersteht. Wege dazu sind in dem Buch „Europa zwischen Ost und West – Individualität und Egoismus im alten und im neuen Europa“ spannend entwickelt. Die Zukunft Europas kann nur eine Gemeinschaft sein, die aus der Freiheit der Nationen und der Individuen gewollt ist.

Europa kann nur verstanden werden, wenn seine Entwicklung unter den Gesichtspunkten der Emanzipation des Menschen und der Völker als Nationalitäten betrachtet wird.

Das Buch „Europa zwischen Ost und West – Individualität und Egoismus im alten und im neuen Europa“ zeigt, wie der Egoismus als Durchgangspunkt zur freien Individualität, die aus eigenen Intentionen, eben frei, den Weg zur Gemeinschaft sucht, absolut notwendig ist. Er kann erst durch den freien Willen zur Gemeinschaftsbildung überwunden werden.

Ebenso verhält es sich laut dem Autor Fritz Frey mit dem Nationalismus der Völker Europas. Der Nationalismus als notwendige Erscheinung des 19. Jahrhunderts muß von der Nation aus freiem Willen zu einer europäischen Gemeinschaft überwunden werden, wenn es nicht zu Katastrophen wie jenen von 1914 bis 1945 oder auf dem Balkan kommen soll. Dies beinhaltet aber nicht die Auflösung der Nationen oder der Nationalitäten. Im Gegenteil: Erst durch die Vielfalt der Kulturen in Europa, die sich in den Nationalitäten, eben nicht in den Nationalismen, widerspiegelt, kann sich die wahre Kraft Europas entwickeln. Wie das Individuum nur durch die Überwindung des Egoismus eine wirkliche Individualität werden kann, so kann die Nation nur durch Überwindung des Nationalismus zu einer Nationalität werden, die aus der Freiheit der kulturellen Entwicklung eines Volkes heraus den Beitrag aus seiner Eigenart zu einer Gemeinschaft der Völker Europas leisten will. Durch eine solche Ent-

wicklung kann sich eine blühende Ökonomie, die auf freier Solidarität gründet, entwickeln. Einer Solidarität, die aus Freiheit gewollt und kein erzwungener Funktionärs-Sozialismus ist.

Europa als Union der Völker (Wir sind das Volk!), die sich aus freiem Willen (nicht aufgrund von Absprachen zwischen an Interessen gebundenen Parlamentariern) zu einer föderalistischen Union zusammenschließen, sei das Ziel. Ein zentralistisches Europa der Funktionäre entspräche nicht dem Charakter Europas. Ein solches Europa habe keine Zukunft und könne nur ins Chaos führen, das von einem strengen, zentralistischen Überwachungsstaat geordnet werden müsse, so Fritz Frey. Ein föderalistisches Europa, im freien Zusammenwirken der Nationen, das unabhängig von jeglicher Hegemonialmacht seinen autonomen Weg findet, könne dieses Chaos verhindern.

Das Buch zeigt Wege auf, die dem wahren Wesen Europas entsprechen und verhindern, daß Zustände, wie sie vor dem Zweiten Weltkrieg und später im Balkan herrschten und zum Teil noch herrschen, neues Unglück über Europa bringen.

Ein lesenswertes Buch mit wirklich neuen Ideen, die in die Zukunft weisen.           S. Breitenstein

Fritz Frey: „Europa zwischen Ost und West“, BoD, Norderstedt 2008, 284 Seiten,  28,90 Euro


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