© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 36-08 vom 06. September 2008

Die ostpreußische Familie
Leser helfen Lesern
von Ruth Geede

Lewe Landslied,

liebe Familienfreunde,

einen kleinen, aber für sie wichtigen Erfolg, haben wieder die Schwestern Berta und Katharina Kolde zu verzeichnen. Wir hatten in Folge 26 ein von ihrem Vater Alexander Kolde im Jahr 1916 gemaltes Bild veröffentlicht, das einen kräftigen Mann in Uniform zeigt. Und vor allem über diese wollten die Schwestern etwas wissen. „Was wir kaum zu hoffen wagten, ist eingetreten: Es hat sich per E-Mail ein Leser gemeldet, der uns Näheres sagen konnte“, teilten sie uns freudig mit. Dieser Leser schreibt: „Der Abgebildete ist zwar nicht bekannt. Jedoch scheint mir seine Uniform zu dem angegebenen Lazarett-Aufenthalt in Hamburg zu passen. Die Uniform ist nach meiner Beurteilung die eines kaiserlichen Sanitätsfeldwebeldienstgrades, erkennbar an den blauen Kragenpatten. Die Schulterklappen sind nicht genau zu erkennen, vielleicht entdecken Sie aber auf dem Original einen Aeskulap-Stab. Der Knopf auf der Kragenpatte ist ein ,Feldwebelknopf‘ – der Abgebildete ist wahrscheinlich ein Sanitäts-Vizefeldwebel.“ Es folgen noch Hinweise, wie man eventuell an die Namensliste der Sanitätseinheit, die mitten im Ersten Weltkrieg in Hamburg stationiert war, herankommen könnte. Das paßt also zu den Angaben der Töchter des Malers, daß ihr Vater 1915 an der Ostfront schwer verwundet und mit einem Oberschenkeldurchschuß in ein Hamburger Lazarett verlegt wurde. Sein Vater reiste aus Rastenburg an und soll verhindert haben, daß das linke Bein amputiert wurde. Es wurde allerdings noch einmal gebrochen, der Verwundete lag Monate lang im Streckverband. Die Schwestern Kolde können es sich gut vorstellen, daß sich in der langwierigen und schmerzvollen Phase der Genesung bei dem Patienten eine freundschaftliche Beziehung zu seinem Betreuer entwickelt hat, so ist wohl auch das Porträt entstanden. „Die Veröffentlichung dieses Kolde-Werkes in der PAZ hat zu einer weiteren Klarheit des Lebensbildes unseres Vaters beigetragen, dafür sagen wir Dank!“ beenden Berta A. Kolde und Katharina Kolde ihr Schreiben.

Es war nur eine kurze Frage – das, was wir auf echt ostpreußisch ein „Nachschrapselchen“ nennen –, sie mußte schnell in die Zeitung und wurde ebenso schnell beantwortet. Denn kurz nach der Veröffentlichung sandte uns Herr Manfred Boettcher eine E-Mail mit der Information, daß der Jurist und Schriftsteller Ludwig (Louis) Passarge, dessen Grabstätte gesucht wurde, im Odenwald begraben liegt. In Lindenfels, wo er am 19. August 1912 verstarb. Der Sterbeort war bekannt, nicht aber, ob er dort auch zur letzten Ruhe gebettet wurde. Manfred Böttcher, ehemaliger Rundfunkredakteur, hat gewußt, was die bisher bemühten Archive nicht hergaben. Er konnte sogar die Quelle nennen, die er in einer von der Berliner Musiklehrerin und Lektorin Sabine Fechter 1965 veröffentlichten Passarge-Biographie fand. Vielen Dank, lieber Herr Böttcher, Sie haben uns sehr geholfen!

Eure Ruth Geede


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