© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 36-08 vom 06. September 2008

Grenzregion im Umbruch
Ratingen-Hösel: Landesmuseum zeigt historische Fotografien – »Oberschlesien im Objektiv«

Wer die aktuelle Ausstellung im Oberschlesischen Landesmuseum von Ratingen-Hösel besucht, wird von der außergewöhnlichen Präsentation der historischen Fotografien beeindruckt sein. Leuchtkästen – als moderne Bildträger – verleihen den ausgestellten Aufnahmen eine neue, ungewöhnliche Ausstrahlung.

Im Rahmen des vom Schlesischen Museum zu Görlitz und dem Museum Gleiwitz gemeinsam erarbeiteten Projektes „Oberschlesien im Objektiv“ sind mehr als 100 historische Abbildungen sowie ergänzende Foto-utensilien zu sehen. Die überwiegend aus dem Gleiwitzer Bestand stammenden Fotografien sind in den 1860er bis 1930er Jahren entstanden. Exponate aus dem Museum in Rybnik und aus den Sammlungen des Gastgeberhauses vervollständigen die Präsentation.

Die Ausstellung lädt zu einer spannenden Entdeckungsreise durch die Anfänge der regionalen Fotografie ein. Die Bilder zeigen ein Land und seine Menschen inmitten wirtschaftlicher, politischer und kultureller Veränderungen und lassen zugleich die rasanten technischen und künstlerischen Innovationen in der Fotografie zu Beginn des 20. Jahrhunderts erkennen.

Neben den faszinierenden Atelieraufnahmen von Wilhelm von Blandowski aus den 1860er Jahren sind eine Dokumentation oberschlesischer Industrieanlagen vom Anfang des 20. Jahrhunderts sowie frühe Zeugnisse des Bildjournalismus unter anderem von Max Steckel zu sehen. Karl Franz Klose, einer der bekanntesten schlesischen Fotografen der 1930er Jahre, richtete seine Aufmerksamkeit auf die untergehende Welt der alten Festbräuche, Trachten und dörflichen Lebensformen.

Die Vielfalt der Motive ist beeindruckend und umfaßt unter anderem eine Familie in Rossberger Tracht zwischen Mietskasernen, eine Bauernfamilie auf ihrem Hof in Ratibor-Studzienna, Bäuerinnen aus Neiße-Neuland in Prozessionstrachten oder Erstkommunikanten in Ratibor-Sudoll um 1914.

Zur Sonderausstellung „Oberschlesien im Objektiv“ hat das Oberschlesische Landesmuseum in Ratingen-Hösel ein interessantes museumspädagogisches Begleitprogramm entwickelt. So etwa können sich Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 7 bis 12 unter dem Motto „Die Wirklichkeit der Bilder“ mit dem Thema der Quellenkritik auseinandersetzen und auch die Möglichkeiten der Manipulation von Fotos als historischem Material kennenlernen.

Nach einem Rundgang durch die Ausstellung stehen zahlreiche Fragen zur Debatte. Es wird unter anderem erläutert: Was wird in der Fotografie dargestellt? Mit welcher Absicht wurde das Bild aufgenommen? In welchen Kontexten werden die dargestellten Personen, Bauwerke, Regionen gezeigt? Dabei stellt sich die kompetente und kritische Analyse sowie die Interpretation von historischen Bildern als ein notwendiger und unverzichtbarer Teil des Prozesses der Ausbildung eines „reflektierten Geschichtsbewußtseins“ vor allem durch den Geschichtsunterricht heraus.

Ein weiteres Begleitprogramm der Fotopräsentation wird unter dem Titel „Wo Licht ist, ist auch Schatten“ angeboten und wendet sich an Schulklassen der Klassenstufen 1 bis 6, die ein Phänomen des Alltags einmal untersuchen möchten. Bei dem Ausstellungsbesuch erhalten die Teilnehmer Einblicke in die Geschichte einer interessanten Region aus dem Blickwinkel der Fotografie. Sie lernen verschiedene Motive kennen und werden in die Geschichte der Fotografie eingeführt. Der Aufbau einer Camera Obscura verdeutlicht das Prinzip der Fotografie. In einem praktischen Teil geht es um das Licht und seine Wirkung.      Dieter Göllner

Die Fotoausstellung ist im Oberschlesischen Landesmuseum von Ratingen-Hösel bis zum 26. Oktober zu besichtigen. Stiftung Haus Oberschlesien, Bahnhofstraße 71, Oberschlesisches Landesmuseum, Bahnhofstr. 62, 40883 Ratingen-Hösel, Telefon (02102) 9650.


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