© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 36-08 vom 06. September 2008

Das Ende einer Auto-Ära
Vor 40 Jahren begann die Produktion des Volkswagens Typ 4

Sicherlich hat Ferdinand Porsche den „Kraft durch Freude“-Wagen entwickelt, doch ist der „Käfer“ als das Produkt schlechthin und damit auch Symbol des deutschen „Wirtschaftswunders“ untrennbar mit Heinrich Nordhoff verbunden. Erst als Generaldirektor und dann als Vorstandsvorsitzender lenkte dieser von 1948 bis zu seinem Tode 1968 die Geschicke des Volkswagenwerkes. Unter ihm erlebte der Volkswagen Typ 1 seine goldenen Jahre, und in seiner Amtszeit entstand eine ganze Modellpalette auf der Basis des Porsche-Konzepts, sprich Heckmotor und -antrieb sowie Luftkühlung des Motors. Dem Typ 1 folgte mit dem Typ 2 („Bully“) ein Nutzfahrzeug und dem Typ 3 (VW 1500/1600) ein Personenkraftwagen der (unteren) Mittelklasse. Mit dem Typ 4 (VW 411/412) sollte das Sortiment nach oben abgerundet werden.

Den Markteintritt des Typ 4 erlebte Nordhoff nicht mehr. Er starb am 12. April 1968. Seine Nachfolge trat am 1. Mai des Jahres Kurt Lotz an. Dieser leitete einen Konzeptwechsel bei VW ein, der einer Revolution gleichkam: weg vom Heckantrieb, hin zum Frontantrieb; weg vom Heckmotor, hin zum Frontmotor; weg von der Luftkühlung, hin zur Wasserkühlung. Vor der Umstellung der VW-Modellpalette auf dieses neue Konzept ging jedoch noch mit dem bereits zu Nordhoffs Zeiten entwickelten Typ 4 ein letztes Mal ein Volkswagen des klassischen Porsche-Konzepts in die Produktion.

Als „Nordhoffs Vermächtnis“ hat man deshalb sinnigerweise auch den VW 411 bezeichnet. Bekannter dürfte der Kosename „Nasenbär“ sein. Er spielt darauf an, daß man bei Volkswagen dem VW 411 aus Wettbewerbsgründen einen großen Kofferraum gönnen wollte und sich deshalb für einen ziemlich langen Vorderwagen entschied. „4 Türen 11 Jahre zu spät“, ein anderes Scherzwort, spielt darauf an, daß der VW 411 der erste Personenkraftwagen von VW war, den man auf Wunsch auch mit familienfreundlichen vier Türen haben konnte. Neu für einen Volkswagen war auch, daß das Auto eine selbsttragende Karosserie und vorne McPherson-Federbeine besaß. Ab 1969 gab es analog zum Typ 3 auch einen dreitürigen Kombi.

Trotzdem ließen die Verkaufszahlen zu wünschen übrig. Daran änderte auch die Ablösung des VW 411 durch den leicht modifizierten VW 412 im Jahre 1972 nichts. Im Jahre 1974 wurde die Produktion des Typs 4 nach für einen Volkswagen ziemlich wenigen 367728 Exemplaren eingestellt. Vielleicht war das traditionelle „Käfer“-Konzept tatsächlich überholt.    Manuel Ruoff


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