© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 36-08 vom 06. September 2008

Ein Autogigant entsteht
Vor 100 Jahren wurde General Motors gegründet

Am 16. September 1908 wurde das von 1931 bis 2007 nach den Verkaufszahlen größte und heute nach Toyota zweitgrößte Automobilunternehmen der Welt, General Motors (GM), von William C. Durant, gegründet.

Von William C. Durant (1861–1947) heißt es, daß er nie ein großer Theoretiker gewesen sei, er vielmehr habe anpacken wollen. Vor diesem Hintergrund ist verständlich, daß er als Teenager die Schule abbrach und von seiner Heimatstadt Boston nach Flint (Michigan) zog, um bei seinem Onkel in einer Holzfabrik zu arbeiten. Innerhalb von Monaten baute Durant einen profitablen Hersteller von Pferdekutschen auf.

Durant kaufte 1903 die Buick Company. Als er dann 1908 Dreiviertel der Anteile von Olds Mobile übernahm, formte er aus beiden Unternehmen die General Motors Company. Nach und nach kaufte der Konzern bekannte US-Marken auf. Cadillac gehörte ebenso dazu wie Chevrolet und Pontiac. Seinerzeit arbeitete jeder fünfte Bewohner in Flint für General Motors.

1923 eröffnete General Motors in Kopenhagen erstmals eine Fertigungsanlage außerhalb der USA. 1928 stieg Durant in den europäischen Markt ein, übernahm erst 80 Prozent der Opel-Aktien und drei Jahre später die restlichen 20 Prozent. Der Konzern avancierte zum weltgrößten Autobauer.

Das Unternehmen half die Buslinien von Greyhound aufzubauen und setzte durch, daß Nahverkehrszüge sowie Straßenbahnen durch Autobusse ersetzt wurden. 1930 kaufte General Motors den Bahnmotorhersteller Winton En­gine auf und stellte die Produktion von Elektro- auf Dieselmotoren um.

Im Zweiten Weltkrieg unterstützte General Motors entgegengesetzte Seiten. Die Werke versorgten sowohl das US-amerikanische als auch das deutsche Militär mit Lastkraftwagen. General Motors und Tochterunternehmen von Ford sollen nahezu 90 Prozent der gepanzerten Dreitonner vom Typ Opel Blitz sowie mehr als 70 Prozent der mittleren und schweren Lastkraftwagen für das Dritte Reich gebaut haben. Der damalige Geschäftsführer von General Motors, Alfred P. Sloan, verteidigte die Unterstützung für die deutsche Armee angeblich mit der Begründung, daß das Geschäft von General Motors hierbei höchst profitabel sei. Nach dem Zweiten Weltkrieg forderten General Motors und Ford Reparationszahlungen von der US-Regierung, da die Fabriken durch Angriffe der Alliierten beschädigt worden waren. In der Nachkriegszeit stammte die Hälfte der in den USA verkauften Autos aus den Werken von General Motors.

Heute unterhält der Konzern Produktionsstätten in 50 Ländern, davon acht europäischen, ist in über 200 Staaten insgesamt vertreten. General Motors hat zahlreiche Beteiligungen an Automobilherstellern wie Isuzu Motors, Fuji Heavy Industries (Subaru), Suzuki Motor und Fiat. Daneben verfolgt das Unternehmen auch Aktivitäten außerhalb des Kerngeschäfts; so werden beispielsweise über die Tochtergesellschaft Allison Transmission Automatikgetriebe für den Schwerlastbetrieb hergestellt.

General Motors drang in immer neue Geschäftsfelder vor. Mittlerweile ist der Autobauer von damals ein komplexer Industriekonzern, der unterschiedliche Geschäftsfelder abdeckt. Über Beteiligungen und Tochterunternehmen ist General Motors mittlerweile auch im Kommunikationsgeschäft tätig. Weitere Allianzen existieren mit dem Internet-Auktionshaus Ebay, dem Kreditkartenanbieter Household International und dem Medienkonzern Warner Brothers.

Im Automobilgeschäft verliert der Gigant jedoch mehr und mehr Kunden. Das Unternehmen, das schwer unter den sich auf Rekordhöhe bewegenden Spritpreisen leidet, kämpft mit Milliardenverlusten. Im Jahr seines 100. Geburtstags steht General Motors vor der größten Krise seiner Geschichte, was sich in den Börsennotierungen niederschlägt. Das Unternehmen ist derzeit rund sechs Milliarden US-Dollar wert. General Motors ist damit billiger als der Spielzeughersteller Mattel, der die „Matchbox“-Autos herstellt.       Corinna Weinert


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