© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 46-08 vom 15. November 2008

Konrad Badenheuer:
Im Schlagloch

Hand aufs Herz: Wer von Ihnen kannte zu Beginn dieser Woche den SPD-Politiker Thorsten Schäfer-Gümbel? Der Mann ist bei der nächsten Landtagswahl am 18. Januar 2009 Spitzenkandidat der hessischen SPD. Hessen war jahrzehntelang eine der Hochburgen der deutschen Sozialdemokratie, Namen wie Holger Börner und Hans Eichel stehen für die lange rote Dominanz im Wiesbadener Landtag.

Wer nun als politisch interessierter Bürger meint, er müsse den Spitzenkandidaten der SPD in diesem Bundesland zumindest dem Namen nach kennen, sei getröstet. SPD-Chef Franz Müntefering ging es zunächst auch nicht besser. Schäfer-Gümbel war ehrlich genug zuzugeben, daß er, der nun wohl wirklich das Amt des hessischen Ministerpräsidenten anstreben soll, in seinem bisherigen Leben noch nicht mit Müntefering gesprochen habe.

Tief blicken läßt auch das Lob der scheidenden SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti auf den von ihr favorisierten 39jährigen, der in den Schlammschlachten der letzten Monate verläßlich zu ihr hielt: „Er hat sich bis Nordhessen verdient gemacht“, lobte sie seine Verdienste. Gut zu wissen, daß die Bekanntheit des Südhessen Schäfer-Gümbel in der eigenen Partei schon das andere Ende des eigenen Landesverbandes erreicht hat.

Im Ernst: Die einst stolze hessische SPD hat die nächste Wahl bereits verloren gegeben. Müntefering kommentierte die Vorgänge in Hessen mit den Worten, die SPD habe ein „Schlagloch überfahren“. Aber dieses Loch war wohl doch eher ein Abgrund. Groß genug, um einen Landtagsabgeordneten mitsamt Kandidatenhut darin verschwinden zu lassen.


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