© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 46-08 vom 15. November 2008

Nationalheiligtum
Wie die Medien Loriots 85. gefeiert haben

In Loriots „Papa ante portas“ betritt der frischgebackene Pensionär ein Geschäft. Von der Verkäuferin erfährt er, daß es Rabatt gibt, wenn er mehrere Senfgläser kauft – so nimmt das Unheil seinen Lauf. Rentner Lohse kehrt mit einer ganzen Europalette Senfgläser zurück, die er billig gekauft habe, wie er seiner Frau stolz berichtet.

So ungefähr begänne wohl auch ein Film, den Loriot über Lehman Brothers und Co. drehen würde. In einem Interview mit der „Zeit“ hat er erklärt, aus der Finanzkrise ließe sich ein Film „mit bescheidener Komik“ machen. Schade nur, daß er sich bereits vor zwei Jahren vom Publikum verabschiedet hat.

Auch im hohen Alter von 85 Jahren – er hatte am Mittwoch Geburtstag – ist Bernhard Victor Christoph Carl von Bülow der bekannteste deutsche Komiker.

Nicht nur die „Zeit“ widmete sich daher dem begnadeten Satiriker. Die „Bild“-Zeitung adelte seine Sketche zum deutschen Kulturgut. Die „FAZ“ ging noch weiter und urteilte, Bülows Werk habe den „Rang eines Nationalheiligtums“.

Die Wiener „Presse“ meint, er habe „Dienst am Humor der Bundesrepublik“ geleistet. Und die „Baseler Zeitung“ lobte das Talent des gebürtigen Brandenburgers zur zeitlosen Satire: „Seine Sketche haben etwa so viel mit der aktuellen, schrillen Comedy zu tun wie die klassische Musik mit Hardrock. Und doch: Seine Filme und Bilder wirken nur im ersten Augenblick verstaubt – hat man sich an das gemächliche Tempo gewöhnt, so ist ihre komische Wirkung ungebrochen.“

Ein PAZ-Bericht über die Berliner Loriot-Ausstellung folgt.         P.O.


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