© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 46-08 vom 15. November 2008

Kämpfer der Ideen
Think Tanks suchen seit fast 100 Jahren Einfluß auf US-Regierung

Die Brookings Institution kann sich über die Wahl von Barack Obama freuen. Der neue US-Präsident setzt offenbar auf Berater der schon als abgewirtschaftet und als in die Bedeutungslosigkeit abdriftend bedauerten Ideenschmiede. Auch wenn sich die in Washington ansässige, 1916 gegründete Denkfabrik als die älteste ihrer Art unter den großen drei Think Tanks in den USA bezeichnen kann, so hat sie in den letzten Jahren doch an Einfluß verloren. Das liegt in erster Linie daran, daß die anderen beiden großen, die Heritage Foundation und American Enterprise, mit deutlich härteren Bandagen im „Kampf der Ideen“ fechten. Derart martialisch als Kampf bezeichnen die US-Denkfabriken selbst ihre Tätigkeit. Die Heritage Foundation setzt hierbei vor allem auf Öffentlichkeitsarbeit und Gutachten, mit denen sie die Abgeordneten in ihrem Sinne beeinflussen will.

Daß es um Beeinflussung und Meinungsmache geht, ist kein Geheimnis. Die Heritage Foundation und American Enterprise bezeichnen sich offen als Bannerträger einer konservativen Bewegung. Hinterfragt man, welche Geldgeber hinter den die Ideenagenturen unterstützenden Stiftungen stehen, dann sieht man alle Gruppierungen vertreten, für die die Bush-Regierung stand. So ist der Gründer der Coors Foundation nicht nur ein Riese unter den Bierkonzernen, sondern auch ein extrem konservativer Nationalist. Die Olin Foundation wurde von einem Industriellen gegründet, der sein Geld mit Chemie, Waffen und Munition (Winchester Ammunition) verdient und die Scaife Foundation hat einen Besitzer, der sein Geld mit Öl, Stahl und Aluminium macht. Die Brüder Bradley haben erst ihr Unternehmen an die Rüstungsfirma Rockwell verkauft, bevor sie einen Teil der so erlangten Millionen in eine Stiftung gaben. Alle Stiftungsgründer gelten als Vertreter der weit rechts Stehenden in den USA und sie unterstützen nur jene Organisationen, die ihre auch religiösen Werte verbreiten.

Die „alte Dame“ Brookings Institution arbeitet aus Sicht der in den 70er Jahren gegründeten, jüngeren Pendants „altmodisch“. Bücher publizieren und Tagungen veranstalten überwiegen unter den Aktivitäten, auch wenn sich bei der von Stiftungen wie Carnegie (Stahl), Rockefeller (Öl) und Ford (Autos) finanzierten Denkfabrik die Tätigkeitsfelder verschieben. Ihre Geldgeber haben sich der Armutsbekämpfung verschrieben, fordern jedoch keinen überregulierenden Staat, wie es ihnen die Konservativen in den USA unterstellen. Vom Sozialismus ist Brookings also weit entfernt, allerdings auch davon, unparteiisch zu sein, obwohl sie sich selbst als „non-partisan“ bezeichnet. Die Ideenagentur hat zudem seit 2003 einen Ableger. Das Center for American Progress (CAP) wird unter anderem von dem Millionärspaar Herb und Marion Sandler, das nach dem Verkauf seines Kreditinstituts eine Stiftung gegründet hat, finanziert. Es hat nach dem Ende der Clinton-Ära zahlreichen vielversprechenden Demokraten einen Arbeitsplatz geboten. David Podesta, Chef von Obamas Übergangsteam ist sogar Gründer des CAP, das sich nun noch aktiver in das politische Tagesgeschäft einmischen wird. Bel


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