© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 46-08 vom 15. November 2008

Meinungsbildner in Deutschland

Nicht nur in Washington geben sich Politik-Experten die Klinke in die Hand. Auch in Berlin versuchen verschiedene Verbände, Interessengruppen, Gewerkschaften und Nicht-Regierungs-Organisationen mitzuregieren. Manche haben nur einen oder mehrere Abgeordnete, die ihnen Gehör schenken, manche haben gar einen Parteiflügel oder eine ganze Partei auf ihrer Seite.

Meinungsbildende und zugleich wissenschaftlich arbeitende Denkfabriken wie in den USA gibt es in dieser Form in Deutschland nicht. Zwar sind die sechs parteinahen Stiftungen im weitesten Sinne auch „Denkfabriken“, da sie Studien zu gesellschaftlichen, politischen und historischen Themen erstellen und über Vertretungen in der ganzen Welt verfügen, doch ihre Publikationen haben nur eine begrenzte Reichweite und ihre Veranstaltungen sprechen nur relativ kleine, wenn auch einflußreiche Gruppen an. Zudem finanzieren sich die politischen Stiftungen (benannt nach Friedrich Ebert, SPD; Konrad Adenauer, CDU; Hanns Seidel CSU; Friedrich Naumann, FDP; Heinrich Böll, Grüne; Rosa Luxemburg, Linke)  über Staatsgelder, so daß sie nicht wie die US-Think Tanks ihren privaten Finanziers, sondern nur dem Wertesystem „ihrer“ Partei verpflichtet sind.

Auch die Wirtschaftsforschungsinstitute wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) oder das ifo-Institut arbeiten anders als ein US-Think Tank. Zwar werden sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen, genießen aber auch aufgrund ihrer weitgehend unparteiischen Haltung ein hohes Maß an Ansehen. Deutlich weniger unparteiisch ist beispielsweise das Institut der deutschen Wirtschaft Köln, das mit seinen Studien in der Regel die Positionen der Arbeitgeber unterstützt. Bel


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