© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 46-08 vom 15. November 2008

Ein »Western auf dem Wasser«
Der Hamburger Jan Fedder spielt die Hauptrolle in dem Spielfilm »Das Feuerschiff« nach Siegfried Lenz

Der NDR hat die Novelle „Das Feuerschiff“ von Siegfried Lenz verfilmt. Schon jetzt gelte der Film mit Jan Fedder in der Hauptrolle  als preisverdächtig, munkeln Kritiker. Am 26. November wird sich zeigen, wie er beim Publikum ankommt

Der eine ist in Hamburg groß geworden, direkt an den Landungsbrücken. Der andere erblickte das Licht der Welt im ostpreußischen Lyck. Für die ARD-Vorabendserie „Großstadtrevier“ ist der eine seit 14 Jahren als Polizist in St. Pauli unterwegs, während der andere mit seinen Romanen, Novellen und Erzählungen den deutschen Buchmarkt erobert. Siegfried Lenz hat in Jan Fedder ein ideales Abbild einiger seiner Romanfiguren gefunden. Und so spielt der Hamburger den Kapitän in der Novelle „Das Feuerschiff“ des Ostpreußen. Der vom NDR produzierte Spielfilm, in dem auch Lenz selbst eine kleine Rolle als Angler übernommen hat, war jetzt auf den 50. Nordischen Filmtagen in Lübeck zu sehen. Die ARD zeigt ihn am 26. November im „Ersten“ um 20.15 Uhr.

Und darum geht es: Kapitän Johann Freytag (Jan Fedder) und seine Crew fischen bei der letzten Fahrt ihres alten Feuerschiffs drei Männer in einem manövrierunfähigen Boot aus der Nordsee. Doch nach der Rettungsaktion stellt sich heraus, daß es sich bei den Schiffbrüchigen um bewaffnete Gangster handelt, die wegen eines Raubüberfalls auf der Flucht sind. Freytag beschließt mit den Kriminellen zu kooperieren, um Gewalt an Bord zu vermeiden. Doch die Mannschaft – angeführt von Freytags Sohn Fred (Tobias Schenke) – plant, die Gangster zu überwältigen und an die Polizei auszuliefern. Ein Spiel auf Leben und Tod beginnt, in dem der Gangster-Boss Caspary, feinsinnig-bösartig gespielt von Axel Milberg, den Kapitän und seine Crew gegeneinander ausspielt.

Lothar Kurzawa schrieb das Drehbuch für diese bereits dritte Verfilmung des Lenz-Klassikers, bleibt aber im Gegensatz zu seinen Vorgängern dichter an der literarischen Vorlage. Dennoch hat er die Rahmenhandlung der 1960 erschienenen Novelle erweitert und einige Actionszenen hinzugefügt. Aus der von Lenz angeregten Debatte über die Verantwortung des einzelnen und seine Haltung gegenüber der Gruppe wurde das Gewicht in dieser Verfilmung zu einem soliden, pointierten Vater-Sohn-Drama verschoben.

Entstanden ist eine Mischung aus blutigem Psychothriller und maritimem Kammerspiel. Jan Fedder sprach salopp, wie es seine Art ist, von einem „Western auf dem Wasser“. Unter der Regie von Florian Gärtner wurde im vergangenen Jahr 23 Tage lang gedreht. Und das meist auf engstem Raum. Man hatte sich auf dem ehemaligen Feuerschiff „Borkumriff“ mitten auf der Nordsee vor Emden eingerichtet. Viele Szenen, so Regisseur Gärtner, seien wegen des steten Wechsels von Ebbe und Flut unter großem Zeitdruck entstanden.

Der Film sei schon jetzt preisverdächtig, sagen Kritiker. Jan Fedder wird’s freuen, er erhielt bereits 2006 für seine Hauptrolle in der Lenz-Verfilmung „Der Mann im Strom“ den Deutschen Fernsehpreis. Lenz, der sich in der Mini-Rolle selbst spielt, macht eine gute Figur, obwohl er, wie er in einem Interview bekannte, sehr nervös gewesen sei. Viel Text mußte er für seine Rolle nicht lernen. „Morgen Lenz“, sagt Kapitän Freytag im Film zu dem Angler Lenz, der antwortet: „Morgen Freytag.“ Daß es so schwierig sein würde, diese zwei Worte vor laufender Kamera zu sagen, hätte er sich nicht vorgestellt. Die Kollegen allerdings waren mit seiner Leistung zufrieden.

Silke Osman

Foto: Der Autor und seine Hauptperson: Siegfried Lenz und Jan Fedder bei den Dreharbeiten zu dem Fernsehfilm „Das Feuerschiff“


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