© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 46-08 vom 15. November 2008

Besinnung auf die Ursprünge
Königsberg ehrt wieder offiziell König Ottokar II., den Stadtgründer von 1255 – Initiative von Bürgern

Seit Ende 2007 ist der Unternehmer Alexander Jaroschuk Oberbürgermeister von Königsberg. In diesem Jahr brach er mit einer sowjetischen Tradition. Gefeiert wurde nicht mehr der 4. Juli, der Tag der Umbenennung der Stadt im Jahre 1946, sondern der 13. September, der Gründungstag im Jahre 1255.

Wer am 12. September am Königstor vorbeiging, konnte sich darüber wundern, unter der Statue Ottokars II. Blumenschmuck zu sehen. Der Kranz aus weißen und roten Blumen (siehe Bild rechts) war ein Symbol zu Ehren des Stadtgründers von Königsberg. Es war das erste Mal, daß am Königstor ein Kranz angebracht wurde. Der Anlaß war nicht zufällig: Am 13. September 1255 hatte der böhmische König Ottokar II. gemeinsam mit Mitgliedern des Deutschritterordens an der Stelle der prußischen Siedlung Twangste den Bau des Königsberger Schlosses begründet.

Zunächst aus Holz gefertigt, wurde schon im Jahre 1257 mit dem Bau eines Backsteingebäudes begonnen. Das Schloß selbst wurde von den Rittern auf den Hügeln Königsbergs zu Ehren des Stadtgründers nach dem böhmischen König Ottokar II. benannt. Der diesjährige Akt zum Zeichen der Verbundenheit mit dem Stadtgründer geschah auf Initiative einfacher Bürger der Stadt. Die Politiker reagierten mit der Durchführung.

Die Farben der den Kranz schmückenden Rosen sind die Wappenfarben Königsbergs und zugleich Böhmens. Der Kranz gilt traditionell als eines der Symbole königlicher Macht. Die Statue Ottokars II. wiederum erhielt ihr heutiges Aussehen erst vor drei Jahren. Im Zuge der Vorbereitungen auf die 750-Jahrfeier Königsbergs wurde auch das Königstor restauriert. Nach Ende der schwierigen Arbeit konnten endlich auch die Statuen der beiden Könige Ottokar II. und Friedrich I. sowie des Herzogs Albrecht wieder aufgestellt werden. Die Skulpturen, ursprünglich von deutschen Steinmetzen aus Sandstein angefertigt, hatten während des Sturms auf Königsberg 1945 schwere Schäden erlitten, lange Zeit fehlten ihnen die Köpfe. Mit ihrer Nachbildung hatte die Stadt Restauratoren aus St. Petersburg beauftragt. Alexej Kadyrow und Sergej Bugajew durchsuchten daraufhin öffentliche und private Archive nach Fotos und Zeichnungen, die ihnen schließlich als Vorlage für ihre Arbeit dienten.

Nach russischer Tradition wurde der Tag der Stadt am 4. Juli begangen, weil am 4. Juli 1946 auf Befehl des Präsidiums des Obersten Rats der Sowjetunion Königsberg in „Kaliningrad“ umbenannt worden war. In diesem Jahr entschied der neue Bürgermeister Alexander Jaroschuk, der zuvor als  Unternehmer mehrere Baumärkte im nördlichen Ostpreußen betrieben hatte, diese sowjetische Tradition zu ändern. Er beschloß, nicht mehr den Tag der Umbenennung feierlich zu begehen, sondern wieder den 13. September, den Gründungstag Königsbergs, zu feiern.  Jurij Tschernyschew

Foto: Königstor, Herbst 2008: Unter der Statue Ottokars II. erinnert ein Kranz mit weißen und roten Rosen an den Stadtgründer.


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