© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 46-08 vom 15. November 2008

Herr der Berge
Eine Rübezahl-Ausstellung in Dachau

Er ist „alt wie die moosigen, grünspiegelnden Felsen, die in die feuchten Gebirgsschluchten hängen“, schrieb der Dichter Carl Hauptmann (1858–1921) über den sagenhaften Geist des Riesengebirges. Der „Herr der Berge“, Rübezahl genannt, ist ein wankelmütiger Geist – launisch und ungestüm, heute zürnend und rauh, morgen edel und hilfsbereit. Eine Ausstellung im Bezirksmuseum Dachau ist dem Geist des Riesengebirges gewidmet, der viele Schriftsteller und Künstler inspiriert hat. Maler wie Moritz von Schwind (1804–1871) und Ludwig Richter (1803–1884) machten sich ein Bild von ihm, er fand den Weg in die Schnitzstuben und Souvenirläden.

Bis heute rätselt man allerdings über seinen Namen. Amüsant ist die Erklärung von Johann Karl August Musäus (1735–1787). Der läßt Rübezahl eine Frau gefangennehmen, die er heiraten wollte. Sie zog sich aus der Affäre, indem sie ihm befahl, die Rüben auf dem Feld zu zählen. Sollte er sich verzählen, müsse er sie gehen lassen. Sofort machte der Berggeist sich an die Arbeit. Um auch sicher zu sein, daß die Anzahl stimmte, tat er es gleich noch einmal. Währenddessen machte sich die junge Dame aus dem Staub. Daher der Spottname Rübezahl.

Gesammelt und aufgeschrieben wurden die Rübezahl-Sagen erstmals von Johannes Praetorius, eigentlich Hans Schultze (1630–1680), in dessen Daemonologia Rubinzalii Silesii (1662). Später erschienen Johann Karl August Musäus‘ Legenden von Rübezahl in seiner Sammlung „Volksmährchen der Deutschen“ (1782–1786) und in Carl Hauptmanns Rübezahl-Buch (1919). Otfried Preußler, geboren 1923 in Reichenberg, hat ebenfalls über Rübezahl geschrieben, wie auch Ferdinand Freiligrath (1810–1876) sowie der Danziger Robert Reinick (1805–1852). Die Dachauer Austellung, ergänzt um Geister aus anderen Gebirgslandschaften, gibt einen Einblick in diese reiche Legendenwelt. os

Zeitgleich zur Rübezahl-Ausstellung im Bezirksmuseum Dachau,  Augsburger Straße 3, wird bis zum 8. März 2009 die Künstlerkolonie Schreiberhau in der Gemäldegalerie, Konrad-Adenauer-Straße 3, gewürdigt. Geöffnet sind beide Ausstellungen dienstags bis freitags von 11 bis 17 Uhr, am Wochenende und feiertags von 13 bis 17 Uhr.


Artikel per E-Mail versenden
  Artikel ausdrucken Probeabo bestellen Registrieren