© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 46-08 vom 15. November 2008

Mord in Istanbul
Deutsche ermittelt

Leser, denen die türkische Autorin Esmahan Aykol eine Begriff ist und die bereits in den Romanen „Hotel Bosporus“ oder „Bakschisch“ die Bekanntschaft mit der in Istanbul lebenden Deutschen Kati Hirschel gemacht haben, dürfen sich in Aykols neuem Roman „Scheidung auf Türkisch“ auf ein Wiedersehen mit der Krimibuchhandlungsinhaberin und passionierten Hobbydetektivin freuen.

Wie in jedem der Kati-Hirschel-Romane steht auch diesmal nicht die eigentliche Krimihandlung, sondern vielmehr das Leben der 44jährigen in Istanbul und ihre individuelle Art und Weise zu ermitteln im Vordergrund. Stets treu an ihrer Seite ist ihr schwuler Freund Fofo.

Mit Humor und einer gesalzenen Portion Ironie bringt die Autorin dem Leser das Istanbul von Kati Hirschel näher. „Istanbul ist eine gefährliche Stadt. In letzter Zeit gilt das insbesondere für die Istiklal-Straße und ihre Umgebung … Bald wird der abergläubische Fofo noch einen Eimer Wasser hinter mir ausschütten, wenn ich das Haus verlasse. Dabei macht man das sonst nur vor weiten Reisen … Wenn ich gehe, umarmt und küßt er mich, als sähen wir uns das letzte Mal. Und er hat ja recht. Schließlich weiß man nie, was passiert. Doch, wirklich! Auf dem Weg könnte ich jederzeit mein Leben lassen, ob nun in einem der Gräben, die die Gemeinde überall ausheben läßt, oder unter einem der Lastwagen, die durch die Fußgängerzone brettern.“

Jeden Tag ißt Kati mit Fofo in einem kleinen Restaurant zu Mittag, und jeden Tag sehen die beiden dort eine junge, hübsche Frau vor einem Salat sitzen.

Als die Nachricht, daß die Gattin eines Industriellensohns tot in ihrer Wohnung aufgefunden wurde, durch die Presse geht und Kati und Fofo auf dem Foto der Verstorbenen eben diese einsame Frau aus dem Restaurant wiedererkennen, gibt es für die krimibegeisterte Kati kein Halten mehr. Vor allem nachdem sie erfährt, daß die Tote ein Verhältnis hatte. Doch auch die Tatsache, daß die Tote aktive Umweltschützerin war, erscheint der cleveren Kati hochinteressant.

Abwechslungsreich, farbenfroh und mit viel Pepp stellt Esmahan Aykol dem Leser in „Scheidung auf Türkisch“ einen neuen spannenden Fall von Kati Hirschel vor. Da bleibt dem Leser am Ende des Romans nur noch eines, nämlich sich auf den nächsten Fall der eigenwilligen Hobbydetektivin zu freuen.         A. Ney

Esmahan Aykol: „Scheidung auf Türkisch – Ein Fall für Kati Hirschel“, Diogenes, Zürich 2008, gebunden, 323 Seiten, 19,90 Euro


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