© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 46-08 vom 15. November 2008

Die »schlichte« Gemeinsamkeit

Ein Alt-Marxist, gar vielen lieb,
ist grade hoch im Schwange,
denn ein Gedicht, das nie er schrieb,
schlägt Wellen, wochenlange.

Man sagt, er war kein Bolschewik –
ihm war’s halt nicht gegeben,
wie Zweig und Brecht die Republik
des Fortschritts zu erleben.

Die Neu-Marxistin unsrer Zeit,
die’s besser wissen sollte,
ist trotzdem allzugern bereit
zu ultralinker Volte.

Nur klappt’s nicht mit dem Einheitsbrei,
dem Bund mit roten Socken,
weil’s in der eigenen Partei
Genossen ihr verbocken.

Wie ungleich doch, man sieht es blind,
die beiden heut’ erscheinen!
Selbst daß Soldaten Mörder sind,
stammt nur vom dicken Kleinen.

Gemeinsam aber haben sie,
die beiden Unverwandten,
das „Y-psilón“, das „schlichte i“,
wie’s einst die Griechen nannten:

Tucholsky trug’s von Anfang an
am End’ in seinem Namen –
lag wohl am „fremden i“, daß dann
auch Pseudonyme kamen.

Bei Ypsilanti wiederum
beweist die jüngste Wende:
Sie hat’s am Anfang – doch zu dumm:
Sie selber ist am Ende.

Pannonicus


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