© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 02-09 vom 10. Januar 2009

Wenn Christsein lebensgefährlich ist
Im Jahr 2008 erneut Diskriminierung und Verfolgung in vielen Ländern – Bis zu 200 Millionen Betroffene

Das zu Ende gegangene Jahr 2008 verlief für viele christliche Minderheiten rund um den Globus erschreckend: In vielen, meist muslimischen Ländern wird gnadenlos Jagd auf Andersgläubige gemacht, oft mit Duldung oder gar Billigung der jeweiligen Regierungen. Das Ziel der Pogrome ist oft die totale Ausrottung des christlichen Glaubens.

Es war eine blutige Weihnacht im Kongo. Plötzlich stürmten mit Macheten bewaffnete Terroristen im Städtchen Doruma die Kirche und begannen systematisch, Kinder und Frauen zu zerstückeln. Rund 150 Menschen starben qualvoll. Insgesamt fielen der „Lord Resistance Army“ während der Feiertage 400 Christen zum Opfer – ein trauriges Fanal zum Jahreswechsel.

Wie bei diesem jüngsten Fall kennzeichnet eine Blutspur den weltweiten „Kampf um den richtigen Glauben“ – während der We-sten stillhält, die systematische Ausrottung religiöser Minderheiten ignoriert und den Anhängern des Korans große Toleranz entgegenbringt, ja Regime unterstützt, die gegen die Vertreibungs- und Tötungswelle nichts unternehmen oder sie sogar decken.

Die „moralische“ Motivation wird dabei gern aus den mittelalterlichen Kreuzzügen und der späteren kolonialen Unterdrückung abgeleitet. Nach Erhebungen von Hilfsorganisationen waren 2008 von den knapp über eine Milliarde Christen weltweit rund 200 Millionen von Zurücksetzung oder Verfolgung betroffen.

In Südostasien etwa geschieht seit Jahren eine Greueltat nach der anderen: Im mehrheitlich von Muslimen beherrschten Indonesien kommt es fast täglich zu Gewalttaten an Christen, ganze Dörfer mit Hunderten von Einwohnern werden von marodierenden Extremisten dem Erdboden gleich gemacht, Frauen und Kinder gefoltert, abgeschlachtet oder vertrieben. Dschungelcamps bilden ständig neue, militante Kämpfer aus. Auf den südlichen Philippinen sieht es nicht viel besser aus. Die katholische Regierung in Manila ist trotz des Einsatzes Tausender von Soldaten nicht in der Lage, dem blutigen Treiben der „Moros“ Einhalt zu gebieten.

Die größte Christenverfolgung jedoch geschieht gegenwärtig unter den Augen der westlichen Schutzmächte im Irak. Seit dem Einmarsch der Amerikaner hat sich die Zahl der einstmals 1,5 Millionen Christen um mehr als 50 Prozent verringert. Lautsprecherwagen fahren durch die Straßen von Mossul und schmettern Haßparolen wie „Christen, verlaßt die Stadt oder ihr werdet getötet“ ins Volk. 90 Prozent der ehemals 200000 Anhänger Jesu haben diese Region bereits verlassen, über 100 Christen wurden ermordet, in Bagdad waren es weit über 300. Die Zwangsverheiratung und Entführung junger Christenmädchen wird von der Polizei geduldet. Einige Orte erpressen gar eine besondere Kopfsteuer, die „Dschizja“, für die Duldung Andersgläubiger. Religiöse Erlasse, „Fatwas“, legalisieren den schleichenden Genozid. Viele treten deshalb aus nackter Angst zum Islam über. Ein Zurück gibt es nicht mehr, denn das Abschwören vom Islam gilt als schweres Verbrechen wie auch in Malaysia.

In Ägypten schreiten die Islamisierung der Polizei, die Anerkennung der strengen Scharia durch den Staat als Rechtsfundament sowie eine wachsende Hinwendung zur Religion als Antwort auf die säkularisierte, „unmoralische“ Welt des Westens voran. Immerhin leben dort beispielsweise acht bis zehn Millionen christlicher Kopten. Sie sind seit gut fünf Jahren vom öffentlichen Leben ausgegrenzt und sehen sich Repressionen ausgesetzt.

Auch in der Türkei, die der Europäischen Union beitreten will, werden Priester ermordet und Kirchen zerstört. Ähnliche Zustände herrschen im Jemen, in Somalia, in Bangladesh, Vietnam, Nigeria, in Lagos, auf den Komoren, auf der tansanischen Insel Pemba, in Tadschikistan, Usbekistan, in Mauretanien, im Kongo, in Äthiopien, Simbabwe, im Sudan, wo sich der „Heilige Krieg“ besonders gegen Schwarze richtet, in Afghanistan und jetzt auch Pakistan, in Saudi-Arabien und in Eritrea, wo 2000 Christen in Gefängnissen schmachten. Selbst in Kolumbien kommt es immer wieder zu Priestermorden. In Kenia brannten Hunderte von Gotteshäusern.

„Der Islam wird nicht haltmachen“, beschwört der assyrische Priester Emanuel Yokhana den Westen. In Wiesbaden hat er die Organisation „Christian Aid“ gegründet. Und die weltweite Entwicklung gibt ihm Recht: Im Iran befinden sich zahlreiche Christen in Haft. In Indien greifen schwere Christenverfolgungen um sich, hier allerdings durch militante Hindus. 50000 bis 70000 Menschen sitzen aus Glaubensgründen in Nordkorea in Haft. Trotz relativer Freiheit werden in China derzeit rund 2000 evangelische Geistliche gefangengehalten.

Die europäischen Medien schweigen, die westlichen Politiker sehen darüber hinweg, der Heilige Stuhl müht sich um versöhnliche Töne, während die Anhänger der Militanz im Orient, in Afrika und im Fernen Osten zunehmen. Europa schläft und träumt von einer besseren Welt, derweil die Realität ihren Brandgeruch bis in seine Hauptstädte trägt und radikale Imame, etwa in Hamburg, ungehindert zur Ergreifung der Macht durch die Söhne des Propheten aufrufen. „Heute sind wir dran“, warnt Emanuel Yokhada, „morgen werdet ihr es sein!“                 J. Feyerabend


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