© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 02-09 vom 10. Januar 2009

Abi »umverteilen«?
Linke will Gymnasien per Quote öffnen

Bislang hat ein Kind dann gute Chancen, auf das Gymnasium wechseln zu können, wenn es gute Noten hat. Das möchte die Berliner Linkspartei jetzt ändern. Aus Gründen der sozialen Vermischung erwägt die Partei, die mit der SPD den Senat stellt, die Einführung von sogenannten Sozialquoten. Damit, so heißt es, mehr Kinder aus „sozial schwachen Familien“ das Abitur machen.

Steffen Zillich, der bildungspolitischen Sprecher der Linkspartei, nannte Quoten „eine Möglichkeit“, um auch leistungsschwächeren Kindern aus „armen“ Familien den Weg ins Gymnasium zu ebnen. Zillich sagte zur Begründung: „Man kann nicht hinnehmen, daß die Schulen die soziale Schichtung widerspiegeln.“

Seine Parteigenossin Carola Bluhm möchte alle bevorzugen, die eine „Lernmittelbefreiung“ besitzen. Eine solche Befreiung (Schulbücher usw. müssen nicht bezahlt werden) erhalten Haushalte, die von staatlichen Transferleistungen leben. An den Berliner Gymnasien genießen zwölf Prozent der Eltern eine solche Kostenübernahme durch den Staat, in den Hauptschulen sind es 60 Prozent.

SPD-Schulsenator Jürgen Zöllner ist skeptisch. Er befürwortet zwar auch die „soziale Vermischung“, will aber abwarten, was die jüngste Schulreform bringt. Danach werden Haupt-, Real- und Gesamtschulen verschmolzen, und das werde „die soziale Mischung ohnehin verbessern“, prophezeit SPD-Chef Michael Müller.

Die Oppositionsparteien reagieren ablehnend. Die FDP bewertet die Quoten als „Schwachsinn“, die Grünen sprechen von „Blödsinn“. Ein CDU-Landtagsabgeordneter kritisiert, die Linke wolle das Gymnasium „von innen aushöhlen“.               Patrick O’Brian


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