© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 02-09 vom 10. Januar 2009

»Vier Besatzungszonen«
Für ein mutiges Wort mußte ein Top-Manager seinen Hut nehmen

Die Aussage, daß die vier großen Stromkonzerne Deutschland in vier „Besatzungszonen“ unter sich aufgeteilt hätten, kostete den Vorstandvorsitzenden der Norddeutschen Affiniere AG, Werner Marnette, sein Amt als Chef des Energieausschusses des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). „Ich bleibe bei meiner Kritik. Ich trete zurück, weil ich den BDI nicht einer Zerreißprobe aussetzen will“, so der 1945 Geborene im August 2005. Und auch jetzt noch kämpft der Ingenieur gegen das Stromoligopol. Seine Kritik hat er der EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes vorgetragen, die sich der Sache angenommen hat.

Sieht man sich die Eigentumsverhältnisse der Übertragungsnetze an, so fällt auf, daß E.on, Vattenfall, RWE und EnBW den Markt bestimmen. Zwar werden die Netzentgelte für die Durchleitung des Stroms anderer Anbieter von der Bundesnetzagentur festgelegt, doch Entscheidungsgrundlage sind die von den Betreibern gemeldeten Kosten. Da die Instandhaltung und die Modernisierung ein wesentlicher Teil der deutschen Strom-Infrastruktur darstellen, ist auch die Netzagentur an stetigen Investitionen interessiert, so daß sie diese bei der Genehmigung der Preisblätter berücksichtigt.

Die deutschen Höchstspannungsnetze sind erst seit einigen Jahren unter den großen vier Energiekonzernen aufgeteilt. Das Netz der EnBW umfaßt beispielsweise das ehemalige Eigentum der früheren Badenwerk AG und der Energie-Versorgung Schwaben AG, die 1997 zu EnBW fusionierten. Das E.on-Netz gehörte unter anderem einst der 1923 vom preußischen Staat gegründeten PreußenElektra. Diese wurde nach dem Zweiten Weltkrieg eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Vereinigten Elektrizitäts- und Bergwerks AG (VEBA). Im Rahmen der Fusion von VEBA und VIAG zur E.on AG fusionierte die PreußenElektra 2000 mit der Bayernwerk AG zur E.on Energie.

Auch die anderen beiden Stromgiganten erlangten durch ähnliche Fusionen nach der Liberalisierung des Strommarktes ihre hohe Marktmacht (Vattenfall = VEAG, BEWAG und HEW und RWE = RWE mit VEW).

Alle diese Fusionen waren staatlich abgesegnet, daher kann die jetzige Monopolstellung der vier großen Stromgiganten die Politiker auch nicht überraschen.     Bel

Foto: Die Übertragungsnetzbetreiber


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