© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 02-09 vom 10. Januar 2009

Zunehmend obskur
Fall Mannichl gibt neue Rätsel auf

Nun ruhen die Hoffnungen der Ermittler im Fall Mannichl auf eingesammelten Zigarettenstummeln und anderen, nicht näher bezeichneten „Kleinteilen“. 30 Beamte des bayerischen Landeskriminalamts haben die Gegenstände vergangenen Sonntag in der Umgebung des Hauses des Passauer Polizeidirektors Alois Mannichl aufgelesen. Sie werden derzeit auf Spuren untersucht.

Der Beamte war am 13. Dezember an seiner Haustür niedergestochen worden. Der Täter hat laut Mannichl vor dem Zustechen gerufen: „Viele Grüße vom nationalen Widerstand. Du linkes Bullenschwein, du trampelst nimmer auf den Gräbern unserer Kameraden herum.“ Daher wurde der Angreifer als Rechtsextremist identifiziert. Die Hoffnung auf schnelle Aufklärung schien berechtigt, da die Neonazi-Szene staatlicherseits bestens dokumentiert ist. Stattdessen erscheint der Fall mit Fortgang der Ermittlungen zunehmend verworren. Vier Personen, die festgenommen wurden, mußten wieder freigelassen werden, da sie ein Alibi hatten. Mannichl selbst hatte den Täter als etwa 1,90 Meter großen Mann mit auffälligen Tätowierungen am Hals und sehr kurzen Haaren beschrieben. Beobachter wundern sich indes, warum der Beamte nach 35 Dienstjahren nicht imstande war, genug Angaben für die Anfertigung eines Phantombildes zu machen. Immerhin habe er dem Täter für die Zeit der Beschimpfung Auge in Auge gegenübergestanden.

Mittlerweile fahnden die Ermittler auch im Rocker-, Punker- und „Gothic“-Milieu. Im jüngsten Fahndungsaufruf wird nach insgesamt fünf Personen gesucht, darunter nach einer Frau mit „zerzaustem Haar“ und Piercing am Auge und einem Mann mit „Hahnenkammfrisur“ – beides eigentlich typische Merkmale der linksorientierten Punk-Szene.

In einem Münchner TV-Sender wurde nach Angaben des „Münchner Merkurs“ allen Ernstes „gefragt, ob nicht Frau Mannichl die Täterin sei und ein Familiendrama vertuscht werde“. Neben solch bizarren Spekulationen führt eine vage Spur sogar in einen Passauer Eishockey-Klub, wo sich jemand mit der Tat gebrüstet haben soll.        Hans Heckel


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