© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 02-09 vom 10. Januar 2009

Mut zum Wagnis
von Hans Heckel

Die Nachricht vom Tode des Unternehmers Adolf Merckle fuhr allen in die Glieder. Es sind solche traurigen Ereignisse, die zur kritischen Einkehr mahnen. Viel Spott mußte sich der über Jahrzehnte erfolgreiche Industrielle nach seiner Fehlspekulation auf fallende VW-Aktien anhören. Doch am Spott ist der 74jährige wohl kaum zerbrochen, sondern an den harten wirtschaftlichen Folgen für sein beachtliches Firmenimperium.

Dennoch: In der Häme kam etwas zum Ausdruck, was nachdenklich stimmen sollte. Es ist das Verhältnis von uns Deutschen zum Straucheln, zum Scheitern besonders jener, die sich weit hinauswagen – sei es durch politischen Bekennermut, sei es durch das wirtschaftliche Wagnis. Adolf Merckle hat den Generika-Hersteller Ratiopharm einst auf dünnem finanziellen Eis aufgebaut, mit Krediten. Merckle machte das neue Geschäftsmodell zum Renner, schuf Tausende Arbeitsplätze. Dabei war ihm bewußt, daß es auch anders hätte kommen können.

Mit ihrer Risikobereitschaft stechen Menschen wie Adolf Merckle aus der Masse hervor, die ihnen das offenbar nur schwerlich verzeihen will. Statt ihren Mut zu bewundern, ihre Kreativität und ihr Stehvermögen, erwecken sie bei vielen von uns eher Neid. Um so größer dann die heimliche Genugtuung, wenn der Mutige einbricht. Naseweise Sprichwörter wie das vom Esel und dem Eis machen dann die Runde durchs selbstzufriedene Publikum.

Doch Deutschland wäre ein armes, trostloses und ideenloses Land am Rande des Weltgeschehens, wenn es keine Merckles hervorgebracht hätte. Wir sollten anders mit ihnen umgehen.


Artikel per E-Mail versenden
  Artikel ausdrucken Probeabo bestellen Registrieren