© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 02-09 vom 10. Januar 2009

Verherrlichung des Empire
Vor 250 Jahren wurde das British Museum eröffnet

Das Britische Museum ist das größte Museum Großbritanniens und eines der wichtigsten der Welt. Was hier an Schätzen zusammengetragen ist, bildet ein repräsentatives Panorama der Kultur- und Kunstgeschichte der Menschheit. Die verschiedenen Sammlungen sind mit über 13 Millionen Exponaten fast unüberschaubar, so daß zum Beispiel die sieben ständigen Ausstellungen zur ägyptischen Kunst nur vier Prozent ihrer Stücke überhaupt präsentieren können.

Den Grundstock des Britischen Museums bildeten die Sammlungen von Sir Hans Sloane (1660–1753), Naturforscher und Arzt aus Chelsea. Zu Lebzeiten hatte er in seinem Wohnhaus am Bloomsbury Square eine beträchtliche Anzahl an Antiquitäten, Büchern, Manuskripten und archäologischen Artefakten zusammengetragen. Nach seinem Tod erbrachte eine Lotterie im Jahre 1753 einen Erlös von 300000 Pfund Sterling und gestattete den Ankauf des wertvollen Schatzes für die britische Nation. Durch die Gründungsakte kamen kurze Zeit danach zudem die Manuskriptsammlungen der Grafen von Oxford, und im Jahr 1756 als Schenkung König Georgs II., die 17000 Manuskripte der königlichen Bibliothek hinzu, welche die englischen Monarchen seit Heinrich VIII. gesammelt hatten. Da alle Druckerzeugnisse mit je einem Exemplar der Königlichen Bibliothek überlassen werden mußten, erwuchs daraus eine der größten Bibliotheken der englischsprachigen Welt.

Am 15. Januar 1759 eröffnete schließlich das Britische Museum im Montague House seine Pforten. Zunächst beschränkte sich die Zahl der Besucher auf etwa zehn pro Tag, denn um Eintrittskarten zu bekommen, mußte ein schriftlicher Antrag gestellt werden. Das Museum, dessen Ziel es war, die Größe und Bedeutung des britischen Empire dem interessierten Publikum zu vergegenwärtigen, wuchs rasch. Nach dem Sieg Nelsons über Napoleon im Jahr 1805 wurde das Britische Museum mit ägyptischen Funden und Kunstwerken gefüllt – darunter befand sich auch der berühmte Stein von Rosetta, mit dessen Hilfe schließlich die Hieroglyphen entziffert werden konnten. Der spektakulärste Ankauf gelang im Jahr 1816, als Lord Elgin die Skulpturen des Parthenon-Tempels in Athen anbot. Diese bilden auch heute noch einen der größten Anziehungspunkte des Museums. Das Besitzrecht ist jedoch höchst umstritten, und seit Jahren versucht die griechische Regierung, die einzigartigen Schätze zurückzubekommen. Trotz dieser politischen Kontroversen und zahlreicher Umstrukturierungen der letzten Jahre zählte das Britische Museum 2008 aufgrund seiner ausgezeichneten Ausstellungen mit über sechs Millionen Besuchern zu den größten Attraktionen Londons.      Anne Bruch


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