© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 02-09 vom 10. Januar 2009

»Er gab alles, was er hatte ...«
Vor 50 Jahren wurde Michael Grzimek der Zusammenstoß mit einem Geier zum Verhängnis

Ich aber wünsche allen Vätern, daß sie einen Sohn haben mögen, der ihr Kamerad und Freund ist und der sich mit ihnen versteht. Und wenn es auch nur für einige wenige Jahre ist.“ Diesen Wunsch äußerte Bernhard Grzimek im Vorwort des 1959 erschienen Buches „Serengeti darf nicht sterben“. Ihm waren derartige Jahre vergönnt – allerdings nur wenige, zumindest mit seinem zweiten Sohn Michael. Bernhard Grzimek teilte das Schicksal der bedauernswerten Eltern, die ein eigenes Kind überleben. Als Grzimek den oben zitierten Wunsch äußerte, war sein Sohn Michael bereits tot.

Michael Grzimek kam am 12. April 1934 als Sohn des Zoologen Bernhard Grzimek und dessen Ehefrau Hildegard geborene Prüfer in Berlin zur Welt. Schon frühzeitig teilte er das Hobby seines Vaters. 1951 begleitete er seinen Vater, als dieser in seiner Eigenschaft als Direktor des Frankfurter Zoos die Elfenbeinküste besuchte, um Tiere für seinen Tiergarten zu fangen sowie das Verhalten afrikanischer Tiere in freier Natur zu studieren, damit ihre Artgenossen in der Frankfurter Gefangenschaft artgerechter gehalten werden könnten. Zwei Jahre später folgte eine gemeinsame Expedition in den Kongo.

Nachdem Bernhard Grzimek die Eindrücke dieser Kongoexpedition zum 1954 erschienenen Buch „Kein Platz für wilde Tiere“ verarbeitet hatte, war es sein Sohn, der ihm den Vorschlag machte, mit eigenem Geld diesen Publikumserfolg in Farbe zu verfilmen. Dieser erste Film, der den Deutschen die Probleme der Wildtiere in Afrika vor Augen führte, war nicht nur beim Fach-, sondern auch beim zahlenden Publikum ein großer Erfolg.

Vater und Sohn wollten mit dem Erlös aus dem Film Land für die Vergrößerung des Nationalparks in Tanganjika erwerben. Doch dessen Direktor schlug ihnen vor, stattdessen lieber eine Bestandsaufnahme der wanderenden Tiere durchzuführen, um auf dieser Basis die Nationalparkgrenzen neu zu bestimmen.

Die Grzimeks waren einverstanden, und Michael hatte die bahnbrechende Idee, die Herden von einem Flugzeug aus zu erfassen. Hierzu erlernten die beiden das Fliegen und kauften eine speziell ausgerüstete Dornier Do 27. Auffallend waren die Zebrastreifenlackierung und das Kennzeichen „D-ENTE“.

Vor einem halben Jahrhundert, am 10. Januar 1959, kollidierte Michael Grzimek bei einem der Flüge mit einem Geier. Die Tragfläche wurde dabei derart stark beschädigt, daß Grzimek trotz seines fliegerischen Könnens die Kontrolle über die Mschine verlor, abstürzte und dabei starb. Noch am selben Tag wurden seine sterblichen Überreste am Rande des Ngorongoro-Kraters beigesetzt, wo später auch sein Vater die letzte Ruhestätte fand. Über seinem Grab errichtete die tansanischen Regierung eine Steinpyramide mit der Inschrift: „He gave all he possessed for the wildlife of Africa, including his life.“ (Er gab alles, was er hatte, für die wilden Tiere Afrikas, einschließlich seines Lebens.)                Manuel Ruoff


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